I’m walking …

Die Sonne scheint mir ins Gesicht, ich transpiriere leicht unter meiner Mütze und der Waldboden federt bei jedem Schritt sanft unter meinen Brooks. Ich fühle, wie meine Oberschenkelmuskeln arbeiten, höre die Vögel zwitschern und plötzlich überlaut die Stimme von Runtastic: „Distance: 1 kilometer, duration: 10.03 minutes, pace: 10.03 minutes/kilometer“.

Wie bitte? 10.03? Ich fiel aus allen Wolken. Normalerweise sagt mir Runtastic nach einem gemütlichen Kilometer einen Pace irgendwo bei 6 min/km an. Im zweistelligen Bereich hatte ich mich vorher noch nie bewegt. Doch in den nächsten Wochen wird das leider mein Standardtempo bleiben, denn ich bin verletzungsbedingt unter die Walker gegangen. Vor über vier Wochen fing mein rechtes Knie an rumzuzicken, Patellaspitzensyndrom lautete die Diagnose von meinem Doc – und Laufpause seine schlimme Anordnung.

Zu Hause in meiner Lauf-Bibliothek hab ich mich erst mal schlau gelesen – und natürlich gleich die perfekte Lösung gefunden 😉 Crosstraining. Hört sich gut, Kondition bleibt dabei auch weitestgehend erhalten und vielleicht bringt’s mich beim Laufen auch noch voran?! Klar, dass es natürlich nicht so einfach ist. Denn als ich meine erste halbe Stunde auf dem Rad hinter mir hatte, hab ich nur noch geflucht. Das hatte mein Knie in seinem Heilungsprozess eindeutig zurückgeworfen. Konnte ich vorher schon wieder schmerzfrei sitzen, brauchte ich jetzt wieder Diclofenac-Salbe, um einen Arbeitstag durchzustehen. Blöd!

Eine weitere Woche später, nach viel Kniestabilisationstraining, wollte ich einen neuen Anlauf wagen – diesmal mit Walken. Also, schick in die Laufklamotten geschmissen, aber untenrum doch lieber ’ne Jeans gewählt, damit man mich nicht sofort als Walker identifiziert. Geht ja gar nicht, ich, die Distanzen von 15 km und mehr läuft, werde zu den Walkern gezählt … Um das klarzustellen, ich habe nichts gegen Walker, ich mag nur ihre Stöcker nicht. Und noch doofer finde ich die Dinger, wenn sie bei Volksläufen im Pulk auftreten und den naturgemäß meist schnelleren Läufern als Stolperfallen zwischen die Beine geraten. Das ist dann aber meist die Schuld des Veranstalters, der die Walker vor den Läufern starten lässt oder – noch schlimmer – sie gemeinsam auf die Strecke schickt.

Also, ab in den Wald, Runtastic gestartet, los ging’s. Einlaufen: Hat sich irgendwie erübrigt, ich habe gleich von Anfang an maximales Tempo gegeben. Der Atem: ging nicht wirklich schneller. Schwitzen: auch nur minimal, lag sicher an meiner Funktionsbekleidung und nicht an meiner langsamen Fortbewegungsart. Meine Brooks Cascadia: was für eine angenehme Überraschung – hervorragend als Walkingschuhe geeignet! 3 km in 30 Minuten hatte ich geplant, dann wollte ich mich mit meinem – laufenden – Mann wieder am Auto treffen. Die Distanz war für mein angeschlagenes Knie genau richtig, mehr hätte es nicht sein dürfen. Gern wäre ich noch mehr bergauf gewalkt, müsste man nicht alles wieder runter, was man zuvor an Höhe wettgemacht hat. Und bergrunter ist im Moment noch nicht wieder so meine Paradedisziplin.

Zu Hause dann noch ’ne Runde dehnen und ab unter die Dusche. Wobei, das wäre nicht zwingend nötig gewesen, dazu hat mich die halbe Stunde zu wenig angestrengt. Muskelkater brauche ich vermutlich auch nicht zu befürchten, aber wenigstens war ich endlich mal wieder in meinem Wald unterwegs!

Und als Nächstes, wenn sich das mit dem Walken bewährt und mein Knie belastbarer ist, steht als Crosstraining Aquajogging auf dem Programm. I’m swimming …

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