Kassel Halbmarathon, 17. Mai – DNF

Schlangestehen vorm Rennen? Überflüssig in Kassel!
Schlangestehen vorm Rennen? In Kassel überflüssig

Mein erstes Did not finish (DNF): Glücklicherweise war es von vornherein geplant, dass ich in Kassel beim Halbmarathon nach 10 Kilometern aussteige, und kein akuter verletzungsbedingter Abbruch. Verletzt war ich zwar schon, aber das bereits seit Februar (Patellaspitzensyndrom). In den letzten drei Wochen konnte ich endlich wieder über 5 km schmerzfrei laufen, sodass ich beschlossen hatte, doch mit anzutreten und nur eine Teildistanz mitzumachen. Entweder ganz oder gar nicht, hatte ich vorher wochenlang gepredigt, schließlich sollte Kassel mein erster Halbmarathon werden, und da wollte ich natürlich die ganze Strecke mitnehmen. Aber nach über 10 Wochen Trainingspause und mit kaputtem Knie ist allein der „Viertelmarathon“ schon ein riesiger Grund zum Feiern für mich!

Am Renn-Morgen galt es, alle und alles zu organisieren: Ich musste rechtzeitig am Start stehen, der war schlimm früh – um 8.15 Uhr 🙁  Das hieß für mich: um 5 Uhr aufstehen – und für Oma, Ehemann und die Kids natürlich auch. Dann mit dem Auto nach Kassel rein, Auto abstellen (glücklicherweise kein Problem) und auf jeden Fall die Bahn erwischen, denn die fährt nur alle halbe Stunde am Sonntag. Dank meiner Spezialität der extrem großzügigen Zeitplanung haben wir sogar die frühere Bahn bekommen und waren schon um 7 Uhr am Auestadion 😉 So konnte ich mir aber wenigstens das Ziel anschauen, das ich laufend ja nicht erreichen würde. Kleiderbeutelabgabe war auch uninteressant für mich, denn ich wollte mich ja schon nach der Hälfte der Strecke, am Holländischen Platz in Kassels Innenstadt, mit meiner Familie wiedertreffen.

 

Endlich geht es in Richtung Start

Kurz vor 8 Uhr bewegten wir uns in Richtung Startbereich, schauten den Handbikern noch beim Starten zu. Dann hieß es für alle: Abschied nehmen, für mich: im Startblock aufstellen und für mein „Support-Team“: Fotopoint suchen.

5, 4, 3, 2, 1 und los!!! Wie immer war gemütliches Gehen angesagt, erst kurz vor der Startlinie trabten wir langsam an. Und mal wieder der Klassiker: Runtastic habe ich zwar gestartet, aber als ich mein Handy in seiner Hülle verstaut habe, habe ich nicht kontrolliert, ob es auch läuft … Tat es nämlich nicht, das fiel mir bei Kilometer eins auf, als alle anderen Handys um mich rum ihren Besitzern Distanz, Pace usw. mitteilten und nur meins stumm blieb 🙄

20 Meter nach der Startlinie auf der linken Seite stand mein persönlicher Fotograf und schoss Bilder, was das Zeug hielt. Oma strahlte und meine Jungs streckten mir ihre Hände zum Abklatschen entgegen, ein perfekter Auftakt!

Wie immer suchte ich mir ein paar Läufer, die mein Tempo liefen, und hängte mich dran. Das erste Kilometerschild tauchte auf, da war ich gefühlt erst zwei Minuten unterwegs. Das war auch der Zeitpunkt, an dem ich aufhörte, dauernd auf mein Knie zu achten, und anfing, einfach zu laufen und es zu genießen. Zwischendurch habe ich ab und zu sogar ein paar Fotos gemacht, aber die sind doch etwas verwackelt und geben nicht mal im Ansatz die Stimmung wieder, die ich damit eigentlich einfangen wollte. Die erste Wasserstelle kam ebenfalls früher als erwartet, aber ums Trinken musste ich mir glücklicherweise keinen Kopf machen, bei 10 Kilometern brauche ich keine extra Flüssigkeitszufuhr.

Bei Kilometer 5 war ich total enttäuscht, dass ich schon die Hälfte hinter mir hatte und nur noch weitere 5 Kilometer laufen durfte. Ich hatte mein persönliches Runner’s High, es lief wie von allein. Ich grinste die ganze Zeit wie ein Honigkuchenpferd vor mich hin.

Spannend war für mich auch auf den ersten 7 Kilometern, dass ich durch Ortsteile von Kassel lief, die ich überhaupt nicht kannte, obwohl ich in Kassel aufgewachsen bin. Ab Salzmann (ca. Kilometer 7,5 km) wusste ich wieder, wo ich bin und dass ich mich langsam meinem Finish-Point entgegenschob. Ab Kilometer 9 war ich darüber überhaupt nicht mehr böse, denn das Knie meldete sich langsam, aber stetig. Als ich auf den Holländischen Platz zulief, suchte ich mit den Augen die Zuschauer nach meiner Family ab. Denn vor dem Ausstieg und den Blicken der Leute hatte ich schon ein bisschen Bammel. Dummerweise stand da niemand, den ich kannte. Also Zähne zusammenbeißen, von der Strecke runter und schnell hinter die Zuschauerreihe schlüpfen. Jacke über, damit niemand mehr die Startnummer sieht, und per Handy mit dem Anhang zusammentelefonieren. Der war auch schon in der Nähe, hatte nur nicht ganz so schnell mit mir gerechnet. Laut Runtastic hatte ich genau einen 6er-Pace, war also exakt eine Stunde nach dem Start an meinem persönlichen Ziel angekommen. Mit dem Tempo hatte ich überhaupt nicht gerechnet, schließlich war ich nicht im Training.

Ich bin total froh, dass ich angetreten bin, obwohl es sich vorher ein bisschen wie Schummeln angefühlt hat. Ummelden ging aber nicht, da keine kürzeren Distanzen im Angebot waren. Ich bin total glücklich über meinen persönlichen „Viertelmarathon“ und bin zuversichtlich, dass ich meinen nächsten im Herbst werde beenden können!

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