Tag der offenen Tür bei der Lunge Manufaktur

In Reih und Glied – der Classic Run von Lunge in der Produktionshalle
In Reih und Glied – fast fertige „Classic Run“-Modelle in der Lunge-Produktionshalle

Ich habe es schon wieder getan: meinen „Fuhrpark“ um ein neues Paar Laufschuhe ergänzt!
Dabei fing der Tag ganz harmlos an: Wir hatten einen Familienausflug nach Düssin geplant. Für alle, die nicht wissen, wo das liegt: irgendwo in Mecklenburg, ein kleines Örtchen, nicht weit von der A24 entfernt. Dort befindet sich in einem alten Gutshof die „Lunge Manufaktur“ (Lauf- und Bequemschuhhersteller), und am 19. September war da Tag der offenen Tür, inklusive Manufakturbesichtigung für die laufbegeisterten Großen, Kinderbespaßung für die weniger laufbegeisterten Kleinen und Fabrikverkauf.

Kurz nach 10 Uhr waren wir vor Ort – und überrascht von der Autoschlange, die sich durch die malerische Idylle wälzte, um genau das gleiche Ziel anzusteuern wie wir. Schon auf dem Weg zum Eingang fielen uns die Leute auf, die mit prallvollen Tüten aus der Tür herausquollen. Das hatte ich mir entschieden lauschiger vorgestellt. Egal, das Schlachtfeld im Verkaufsraum umkurvten wir einfach und steuerten gleich die Fertigungsstätte an. Denn wie solche Hightech-Wunderwerke hergestellt werden, die mich schon seit so vielen Kilometern über Stock und Stein tragen, das wollte ich heute erfahren. Als Erstes bestaunten wir die Platten mit dem Sohlenmaterial, ähnlich wie Matten in einer Turnhalle lagen sie gestapelt beim Eingang. In Form geschnitten werden die Gummisohlen mit den gefrästen Mittelsohlen verklebt. Der Schaft, der am Ende mit der Sohlenkonstruktion verbunden („verheiratet“ im Fachjargon) wird, wird in der Näherei gefertigt. Dort führten uns nette Mitarbeiterinnen herum und erklärten uns ihre Arbeit, wie sie Stück für Stück die einzelnen Teile zusammennähen, mit welcher Maschine das Logo aufgestickt wird und in welchem Gerät der Schaft mit der Fersenkappe verpresst wird.

Gefüttert mit so viel Infos, hieß es danach für alle unter 1,50 Meter ab auf die Hüpfburg und für alle drüber: Das neue Wissen am fertigen Schuh überprüfen. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt zwar schon von den Lunge-Laufschuhen gehört, mich aber nicht weiter mit ihnen befasst aufgrund ihres nicht gerade trendsetzenden Designs und ihres hohen Preises. Jetzt hatte ich sie in Massen vor der Nase und sie waren, da B-Ware oder Vorjahresmodelle, auch noch wesentlich günstiger. Weil Schuheanprobieren sowieso immer Spaß macht und meine Family gerade beschäftigt war, schnappte ich mir ein paar Kartons und testete das Tragegefühl beim ersten Reinschlüpfen. Extrem anders zu allen meinen anderen Laufschuhen fühlt sich bei mehreren Modellen die Sohle (genauer: die „latexbasierte Einlage Gomex“) unter meinem mittleren Fuß an. Auf der Höhe, wo normalerweise die Pronationsstütze ist, ist mehr in der Mitte eine Delle nach oben. Also nicht unter dem Rist, sondern da, wo die Plantar fascia verläuft. Das ist nicht unangenehm, nur … anders.

Ulf Lunge hat mich von den Qualitäten des Vivo überzeugt
Kaufberatung vom Chef persönlich und ein netter Plausch über Laufschuh-Technologie im Allgemeinen: Ulf Lunge und ich.

Nach dem Anprobieren mehrerer Schuhe haben mich schließlich das Modell Vivo, ein leichter Neutralschuh (272 Gramm bei Größe 40 ½, zum Vergleich: Mein Adidas Ultra Boost wiegt 304 Gramm bei Größe 42), und ein ausführliches Beratungsgespräch mit Ulf Lunge überzeugt. Vegan, schadstofffrei, made in Germany und vor allem eine längere Haltbarkeit sind dabei die ziehenden Verkaufsargumente gewesen. Und deshalb habe auch ich mit einer vollen Tüte den alten umgebauten Kuhstall in Düssin verlassen 🙂

Und sollte doch irgendwann einmal die Haltbarkeit am Ende, d. h. die Sohle abgelaufen sein, so kann man seine geliebten Schätzchen sogar neu besohlen lassen (80–90 Euro, inklusive eines neuen Paars Gomex Einlegesohlen). Bis dahin muss ich meine Vivos aber erst mal einlaufen, da bei Lunge-Schuhen extra eine ausreichende Einlaufzeit von 100 Kilometern empfohlen wird, denn erst dann entfalte sich der bestmögliche individuelle Tragekomfort. Spannend, das werde ich auf jeden Fall protokollieren!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.