Parkrun Hastings, Oktober 2015 (Nachtrag)

Laufen macht Spaß – vor allem mit Rückenwind
Laufen macht Spaß – vor allem mit Rückenwind

Über eine Million Menschen treffen sich weltweit jede Woche zur gleichen Zeit zu einem 5-Kilometer-Lauf. Gibt’s nicht? Gibt’s doch! Parkrun heißt das globale Spektakel, das erstmals 2004 mit nur einem Lauf im Londoner Stadtteil Teddington stattfand. Initiator war seinerzeit Paul Sinton-Hewitt, er und zwölf weitere Laufbegeisterte nahmen damals das erste Mal die 5 Kilometer unter die Laufschuhe. Von da an trafen sie sich regelmäßig, jeden Samstag, immer um 9 Uhr, immer am selben Ort. Inzwischen gibt es weltweit 796 Parkruns, alle basierend auf demselben Grundsatz: weekly, free, 5 km, for everyone, forever.

Auch ich bin ein Parkrunner: Ich habe mich 2012 registriert, und jedes Mal, wenn ich in England bin und es zeitlich passt, laufe ich bei einem Parkrun mit. So auch dieses Jahr in Hastings (Südengland) während unseres Urlaubs: Samstagmorgen, 8.30 Uhr, ich stehe mit lauter Briten auf der Promenade und lasse mir den Wind um die Laufmütze wehen. Schaumkronen tanzen auf den Wellen, die Sonne hat sich noch nicht entschieden, ob sie scheinen will, und in der Ferne ist der Pier von Hastings zu sehen. Dort ungefähr liegt der Wendepunkt, erfahren wir von einem freiwilligen Helfer, der die Neulinge vor dem Start über Streckendetails und Zeitmesssystem informiert. Die Zeitmessung ist etwas ungewöhnlich, denn beim Parkrun wird die Zeit nicht mit einem Chip gemessen, sondern man erhält hinter der Ziellinie einen Finisher Token, den man zusammen mit einem persönlichen Barcode (bekommt man bei der Online-Registrierung) bei einem Staff Member abgibt bzw. scannen lässt.

Schnell noch einlaufen, bevor es endlich losgeht
Schnell noch einlaufen, bevor der Startschuss endlich fällt

Bevor es losgeht, werden alle Läufer begrüßt und gebeten, auf Spaziergänger Rücksicht zu nehmen. Aber heute ist bei dem frischen Wetter außer ein paar Hundebesitzern um diese Uhrzeit sowieso niemand unterwegs. Punkt 9 Uhr geht es los, 2,5 km die Promenade entlang in östlicher Richtung. Das Feld startet schnell, Adrenalin und Rückenwind machen auf dem ersten Kilometer mit Tempo. Nach gut einem Kilometer erwarten uns zwei ältere Ladys in dicken, wetterfesten Jacken – und mit glitzernden Pompons in den Händen. Sie hüpfen auf und ab und feuern uns an: „You’re doing great!“

Inzwischen hat sich das Läuferfeld auseinandergezogen und der Pier ist erreicht, kurz danach kommt der Wendepunkt, dort kontrolliert ein Staff Member den ordnungsgemäßen Richtungswechsel und ruft jedem Läufer seine Zwischenzeit zu.

Auf dem Rückweg bremst der Gegenwind, trotzdem ist der Spaß nach 26.10 Minuten für mich schon wieder vorbei, im Ziel werde ich mit einem freundlichen „Well done!“ begrüßt und bekomme meinen Finisher Token, während meine Zielzeit gestoppt wird. An einem extra Tisch gebe ich den Token ab und lasse meinen Barcode scannen, dadurch kann meine Zielzeit mir zugeordnet und in die „ewige Tabelle des Parkruns“ eingetragen werden. Diese ausgeklügelte Statistik ist ein wesentlicher Bestandteil des Systems Parkrun. Darin wird alles erfasst, von der Anzahl der Läufe über persönliche Bestzeiten bis hin zum altersabhängigen persönlichen Leistungsniveau, das nach einem bestimmten Schlüssel berechnet wird. Bei mir liegt es bei erschreckenden 59,68 Prozent … Zusätzlich gibt es in der Tabelle noch hübsche Icons für 10 (nur für Kinder), 50, 100, 250 oder 500 absolvierte Parkruns. Bis ich allerdings so ein Icon bekomme, müssen wir noch sehr, sehr oft Urlaub in England machen …

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