Elbdeichmarathon/Tangermünde

20160510_09443010 km  •  51:14,4 min  •  5,08 min/km

Tangermünde kannte ich bis vor ein paar Jahren gar nicht – bis eine meiner allerbesten Freundinnen dort im Kloster Jerichow heiratete. Und als sie mir vor einigen Wochen erzählte, dass sie sich – als vehemente Nichtläuferin – dort für einen 10-km-Lauf angemeldet hatte, hab ich natürlich gleich nachgezogen, um sie bei ihrer Premiere tatkräftig zu unterstützen.

Als Folge bin ich dann auch das allererste Mal während unserer langjährigen Freundschaft mit ihr laufen gegangen – schön! Öfter klappte es aufgrund der Distanz von Stendal nach Hamburg leider nicht, aber wir hatten ja unseren gemeinsamen Lauftermin am 17.4. beim Elbdeichmarathon.

Doch wie so oft sollte alles anders kommen: Zwei Wochen vor dem großen Ereignis verdrehte Elke sich bei einem Trainingslauf das Knie und konnte nicht mehr starten. Jetzt stehe ich also an der Startlinie des „Elektro Schubert 10km Run“ – und Elke unterstützt mich 😉
Während der Warterei im Startblock habe ich noch genug Zeit, mir die pittoreske Stadtmauer von Tangermünde anzuschauen. Ich bin total begeistert von der hübschen Kulisse: Um 1300 erbaut trotzt das historische Bollwerk noch heute mit einigen Wehrtürmen Wind und Wetter. Feindlich gesonnene Angreifer gibt es ja glücklicherweise nicht mehr, nur zahllose friedliebende Läufer tummeln sich heute innerhalb und außerhalb der hohen Mauern.
Endlich wird die Startmusik gespielt und von 10 runtergezählt. Ich kann es wirklich nicht mehr erwarten, bis ich endlich loslaufen darf. Ich vibriere vor lauter Energie, die Sonne strahlt, es hat angenehme 11 Grad und eine ordentliche Brise geht, aber glücklicherweise kommt der Wind von der Seite und nicht von vorn. Gute Bedingungen also.

3, 2, … Peng! Wir traben an, nach 20 Sekunden passiere ich die Startlinie und mache mich ans Überholen. Mal wieder zu weit hinten eingereiht. Bis Kilometer zwei bin ich mit Einsammeln (nennt man das zu Anfang des Rennens auch so?) beschäftigt, dann habe ich mich auf mein Tempo eingependelt. Meine Pace liegt heute bei 5.10 min/km. Und es läuft tatsächlich so gut, wie es sich anfühlt. Jetzt habe ich endlich Augen für meine Umgebung: Wir laufen parallel zur Elbe durch eine frühlingsgrüne Auenlandschaft. Am Streckenrand stehen immer wieder vereinzelt Leute und feuern die Läufer an. An den Verpflegungsstellen wird zum Teil richtig Party gemacht. Super!

Da wir die 10 Kilometer auf einer Wendepunktstrecke laufen, kündigt das Führungsfahrrad schon bald den ersten 10-Kilometer-Mann an. Von jetzt an heißt es aufpassen, Gegenverkehr. Denn der Weg ist schmal, nur drei Läufer passen gerade so nebeneinander. Will man überholen, muss man ein Lücke abpassen oder nach rechts aufs Grün ausweichen. Wenige Minuten später folgt die erste Frau – ebenfalls mit Führungsfahrrad. Langweilig wird das hier überhaupt nicht. Dabei laufen wir die ganze Zeit nur geradeaus. Insgeheim hatte ich befürchtet, dass sich dadurch die Strecke in die Länge zieht, aber die Kilometer fliegen nur so an mir vorbei. Und an der zweiten Wasserstelle ist klar: Jetzt ist der Wendepunkt nicht mehr weit. Nach exakt fünf Kilometern werden im Vorbeilaufen unsere Nummern notiert, und wir befinden uns auf dem Rückweg.

Eigentlich lautete meine Strategie für heute: laufen, Spaß haben und gucken, was dabei rauskommt. Da ich mich aber irgendwo bei 5.10 bis 5.15 eingependelt hatte, hatte ich mir ausgerechnet, dass heute eine neue PB drin ist. Also musste eine neue Strategie her: Tempo anziehen. Ab Kilometer 7 versuchte ich, auf 5.05 zu erhöhen. Klappte problemlos. Jetzt bloß nicht nachlassen! Nun hatte ich keine Augen mehr für die Umgebung, sondern nur noch für den Boden direkt vor mir. Auf dem letzten Kilometer ging es noch einen Mini-Abhang hoch (musste das sein?), dann über die Tanger (Mist, Gegenwind!), einen kleinen Hügel runter zum Hafen (laufen lassen, bloß nicht bremsen, jede Sekunde zählt) und auf das 400 Meter entfernte Ziel zu.
Schräg hinter mir tost Beifall auf, zwei Läufer liefern sich noch mal ein Wettrennen, überholen mich voll Speed – und bleiben schnaufend stehen … dummerweise ist das Ziel noch mindestens 50 Meter entfernt. Das Publikum und ich rufen: „Weiter, weiter!“, und die zwei sprinten wieder los. Auf den letzten Metern höre ich dann auch Elke rufen: Lauf, Tinaaa! Das tue ich – und kann mich im Ziel über eine neue PB freuen: 51:14,4 netto. Yeah! Damit bin ich die 23. Frau insgesamt von 379 10-km-Läuferinnen und 5. meiner Altersklasse. Den Rest des Tages strahle ich glücklich vor mich hin. Vergessen ist, dass ich um fünf Uhr aufstehen, über zwei Stunden über die Landstraße gurken musste und noch beim Einlaufen dachte, meine Beine wären heute überhaupt nicht in der Lage zu laufen.

Eine positive Überraschung der ganz anderen Art war noch der Dusch-Truck von Grohe: So was Luxuriöses mit so schön heißem Wasser hatte ich selten nach einem Lauf!

Und nächstes Jahr steht Elke bestimmt mit mir zusammen an der Startlinie 😉

 

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