Läufe 2018

 

Es hat sich ausgelaufen

Nun heißt es „Play Ball“

Laufen ist out – Baseball in. So sieht’s aus bei mir in diesem Jahr. Ich habe nicht geplant, 2018 irgendwelche Rennen mitzumachen. Denn: Die Liebe zu meiner alten Leidenschaft, dem Baseball, ist wieder voll entflammt. Dank meiner Söhne, die sich mittlerweile in dieser (bei uns stark unterschätzten) US-Sportart prächtig entwickelt haben.

Zu Hause läuft nur noch die MLB.tv-App (der Fernsehkanal der nordamerikanischen Profiliga Major League Baseball) und zwischen den Trainingstagen gehen wir zusätzlich raus auf die Sportplätze in unserer Umgebung für ein paar Extra-Schichten, um die Skills der Jungs stetig zu verbessern. Dafür haben wir eigens eine Ballwurfmaschine aus den USA importiert, weil Papas Arm beim Pitching nicht mehr so präzise und dauerbelastbar ist wie früher. Trotzdem spiele sogar ich wieder organisiert, wenn auch nur in einer Freizeitmannschaft, in der sich mehrere Ehemalige diverser Clubs aus der Region zusammengefunden haben (Altherren-Baseball würde man analog zum Fußball sagen).

10 Kilometer für die Fitness

Aber auch hierbei gilt natürlich: Wer fit(ter) ist, ist besser. Und wer besser ist, gewinnt. Meistens zumindest. Deshalb halte ich meinen Fitness- und Ausdauer-Level durch – erraten – Laufen. Doch eben nur auf Trainingsbasis. Oftmals sind es 10-Kilometer-Runs durch den Wald oder über die Felder, manchmal auch 15 Wiederholungen auf Tempo an ’ner 150 Meter langen Steigung. Ganz nach Lust und Laune. Mal jeden zweiten, mal jeden dritten Tag. Spaß haben, fit und dünn bleiben sind meine ganz persönlichen Ziele dabei.

Nein, mir fehlt das Laufen als Wettkampf (noch) nicht. Obwohl ich im Nachhinein, wenn ich Berichte über Veranstaltungen wie den Berlin-Halbmarathon im TV gesehen habe, tatsächlich immer ein wenig neidisch bin auf diejenigen, die sich dort abgequält und ihre persönlichen Ziele erreicht haben. Bei solch einem Prestige-Rennen in so einer tollen Stadt wirklich beneidenswert.

Alles richtig gemacht

Dann jedoch sitz ich wieder zu Hause vorm Fernseher und schaue MLB.tv, stehe selber mit den Jungs auf’m Platz oder sehe ihnen beim Punktspiel bzw. Training zu und denke: „Geiles Spiel! Genau, was du willst. Und was deine Jungs wollen. Alles richtig gemacht.“ So kann’s erst mal weitergehen.

 

 

Wer hat das schon?

In the Beauty of My Surroundings

Ich fühle mich previlegiert. Das denke ich fast täglich. Immer dann nämlich, wenn ich auf einer meiner Laufstrecken unterwegs bin. In the Beauty of My Surroundings (in der Schönheit meiner Umgebung) sozusagen, um es mit den Worten eines walisischen Poeten auszudrücken.

Andere lieben es, in der Stadt auf den Fußwegen zu laufen und meiden bewusst die Natur. Oder haben überhaupt nicht die Möglichkeit, im Grünen zu laufen. Andere hassen das Laufen in der Stadt und fahren auch schon mal ‘ne Viertelstunde mit dem Auto, um im Wald ein paar Kilometer abzureißen.

Ich mag eigentlich alles – das Rennen in der Großstadt (z. B. den Berliner Ku’damm rauf und runter), in der Natur oder auf der Tartanbahn. Wenn ich allerdings von meinem Dorf an einem ehemaligen, längst überwachsenen Bahndamm entlang ins nächste, kleinere Dorf laufe und von dort weiter auf einem Bergauf-bergab-Radweg, zwischen Mais- und Weizenfeldern hindurch, zum nächsten, noch kleineren Dorf und wieder zurück, dann fühl ich mich privilegiert.

Grüne Idylle vor der Haustür

,Wer hat das schon?‘, denke ich beim Blick über die Felder oder in den Himmel. So gut wie keine Autos auf drei Vierteln der rund zehn Kilometer langen Strecke, Pferde und Kühe auf grünen Wiesen, eigentlich nur friedliche Hunde auf den zu passierenden Höfen und Grundstücken und kaum eine Menschenseele zu sehen. Höchstens mal eine Handvoll Spaziergänger oder jemand im Vorgarten. Alles total friedlich und stresslos. Brauchst dich nicht mal nach hinten umdrehen beim Über-die-Straße-laufen – kommt sowieso keiner. Falls doch wäre er in der Stille schon von Weitem zu hören.

Noch krasser, im positiven Sinne, ist es im Wald. Hahnheide heißt der hier, ist 1.400 Hektar groß und eine wahre Idylle. Ich bin sicher, dass man so ein Areal nicht so oft in Deutschland findet. Die Möglichkeiten, dort kleine, größere oder ganz große Runden rund um den Hahnheider Turm (auch „Langer Otto“) zu laufen, sind nahe unbegrenzt. Über schmale, dicht bewachsene Pfade oder breitere, feste Forstwege. So manches Waldtier hab ich schon bei meinen Läufen aufgeschreckt – zum Glück noch nie Wildschweine.

Immer da, jederzeit verfügbar

Dieser Wald hat sich im Laufe meines knapp 50-jährigen Lebens – anders als alles andere in der Welt um mich/uns herum – nie verändert. Ich laufe heute über die Wege, auf denen ich schon vor über 40 Jahren mit meinen Großeltern langgetapert bin und Stöcker gesammelt habe. Das ist wie ein Zeitflash in eine heile Welt ohne Sorgen und Verantwortung. Das kann und sollte man sich mal leisten für ‘ne Stunde. Und dann freu ich mich jedes Mal wieder darüber, wie privilegiert ich bin. Denn wer hat das schon? Direkt vor der Haustür, jederzeit verfügbar. Milliarden andere jedenfalls nicht.