Läufe 2014

Aus einer spontanen Teilnahme an einem Volkslauf im Hamburger Randgebiet ergab sich für mich eine wettkampftechnisch abwechslungsreiche, wenn auch sehr überschaubare Saison mit Straßenrennen, Nachtlauf und Spendenlauf im Einkaufszentrum …

 

22. Juni – 17. Barsbütteler Volkslauf

5 km • Asphalt • 22.51 min/19. Platz (5. M45)

Aus einer Laune heraus angemeldet. Falsche Schuhe (schwere Adidas-Raven3-Trails), unbekannte Strecke und ein sich endlos ziehender Schlussabschnitt zurück ins Stadion – das waren für mich die negativen Aspekte. Gutes Wetter und eine sympathische Vereinsveranstaltung an sich die positiven. Meine Zielzeit fand ich okay, wenn auch ausbaufähig. Nach drei Kilometern etwa hängte ich mich an einen 20-jährigen und ließ mich einfach von ihm ziehen. Da er bis zum Ziel nicht mehr langsamer wurde, blieb ich unter der 23er-Marke. Ohne ihn wäre ich deutlich später eingetroffen.

 

6. Juli – Spreehafenlauf Veddel

5 km • Asphalt • 22.07 min/13. Platz (3. M45)

Bevor meine Frau und ich verheiratet waren und Kinder hatten, wohnten wir ein paar Jahre in Hamburg auf der Veddel. Alleine deshalb wollte ich an diesem Rennen entlang des alten Binnenhafens, das Teil des „Elbinselcups“ ist, teilnehmen. Das Ganze kam dank Sponsor Hella und Veranstalter „Die Laufgesellschaft“ für einen Wald- und Wiesenläufer wie mich recht professionell rüber. Entsprechend angespannt war ich direkt vor dem Start. „Ins erste Drittel“ wollte ich am Ende zeitmäßig kommen – und schaffte es auch. Mein Ergebnis zeigte mir, dass es möglich sein müsste, einen 5er auch mal unter 22 Minuten zu laufen.

 

26. Juli – 23. Vattenfall City-Nacht Berlin

5 km • Asphalt • 22.35 min/25. Platz (von 200 TeilnehmerInnen)

Die größte Veranstaltung, bei der ich bis dato aktiv dabei war. Ein toller Run entlang des Ku’damms mit tausenden Läufern und ebenso vielen Zuschauern. Da unser Hotel direkt an der Strecke und unser Zimmer nach vorne heraus lag, konnte ich nachmittags schon das Rennen der Inline-Skater durchs Fenster beobachten. Eine geniale Einstimmung. Im Startbereich stellte ich mich viel zu weit hinten auf – den ersten Kilometer hatte ich deshalb nur damit zu tun, mich zwischen den langsameren Läufern hindurchzuschlängeln. Dadurch ging viel Zeit verloren. Bei rund 25 Grad lief für mich an diesem perfekten Sommerabend alles wie von selbst. Ich hatte so gut wie keine Ermüdungserscheinungen bis weit nach dem Wendepunkt. Durch den ganzen Trubel entlang der Rennstrecke verpasste ich allerdings meinen anvisierten Endspurt-Punkt. So war ich schon fast im Ziel, als ich noch mal alles reinlegte. Ich hatte vorgehabt, die 22 zu knacken, war aber quasi meilenweit entfernt davon. Doch alles halb so schlimm: wegen des Erlebnisses an sich und weil ich wusste, woran’s gelegen hatte.

 

14. September – 3. Volkslauf „Trittau bewegt sich“

6,2 km • Asphalt und Wald • 26.56 min/6. Platz (2. M45)

Mein „Heimspiel“ der Lauf-Saison. Von der Haustür zum Start auf dem Dorfplatz ist’s ein schlapper Kilometer. Im Vorjahr hatte ich schon mal an „Trittau bewegt sich“ teilgenommen, es aber aufgrund einer gerade überstandenen Lungenerkrankung gerade so eben ins Ziel geschafft. Diesmal wollte ich weit nach vorne, unter die besten 15. Einer befreundeten Leichtathletik-Trainerin vom hiesigen Sportverein, die bei den Frauen sicher unter die ersten drei kommen würde, sagte ich: „Ich versuch einfach mal, so weit es geht, an dir dranzubleiben.“ Hintergedanke: Wenn ich das hinkriege, müsste das auch für ’ne sehr gute Zeit in der Männerkonkurrenz reichen. Am Ende liefen wir das gesamte Rennen nebeneinander durch. Sie wurde Zweite der Frauen, hinter ihrer 18-jährigen Tochter, ich mit eben derselben Zeit Sechster der Männer. Vor mir, bis auf eine Ausnahme, nur junge Kerle vom örtlichen Leichtathletik-Team, gegen die ich sowieso nie eine Chance gehabt hätte. Das war für mich also beinahe die maximale Ausbeute auf einer anspruchsvolleren 6-km-Wald-und-Radwege-Strecke mit starker jugendlicher Konkurrenz.

 

28. September – Dr. Klein City-Lauf Lübeck

5 km • Asphalt • 21.03 min/9. Platz (2. M45)

Als Trittauer kennt man Lübeck so gut wie Hamburg. Ein Rennen durch die sympathische Innenstadt an der Trave reizte mich deshalb total. Im Startbereich Dutzende athletische 3-Tage-Bart-Typen zwischen 20 und Mitte 30 in profimäßigen Laufklamotten. Auffällig viele davon mit diesen langen Kompressionssocken bis unters Knie und 200-Euro-Rennmaschinen an den Füßen. Das schüchterte mich fast ein wenig ein, wie cool die da alle aussahen. Egal, Kopfhörer auf und dicht an die Startlinie, Blick runter auf die eigenen Schuhe. Konzentration. Nicht auf die anderen achten. Die letzten zehn Sekunden, alle zählen den Countdown laut im Chor runter. Startschuss. Und ab …

Nach einer kleinen Schleife um die Fußgängerzone fing mein iPod plötzlich an zu spinnen, so dass ich während des Laufens mindestens ’ne Minute daran rumfummelte, um alles wieder einzustellen. Wer mochte mich in dieser unaufmerksamen Phase alles überholt haben? Ich hatte nichts um mich herum mitgekriegt und fühlte mich irgendwie gehetzt. An einem Abschnitt im Park, direkt an der Trave, wo wir noch ein paar Teilnehmer des kurz vor uns gestarteten Einrad-Rennens (!) überholten, hatte ich einen echten Tiefpunkt. Doch der war mit der Rückkehr ins Stadtzentrum überwunden. Dort hatte ich einen anderen Läufer mit ausgeprägten O-Beinen eingeholt, den ich bis zum Ziel allerdings nicht mehr überholen konnte. Seine Schnelligkeit und mein Wille, ihn noch zu kriegen, sorgten für einen prima Schlussspurt.

Am Ende ließ ich fast alle der coolen Kompressionssockenläufer hinter mir, wurde völlig unerwartet (mit meiner schnellsten Wettkampfzeit 2014) Gesamt-Neunter und sogar Zweiter meiner Altersklasse M45. Da in Lübeck die besten Drei jeder Altersklasse auf der Bühne geehrt werden, durfte ich zum ersten Mal mit aufs Treppchen. Vor hunderten Leuten auf dem historischen Marktplatz erhielt ich meine Medaille. DAS war wirklich cool!

 

18. Oktober – Parkrun Eastbourne/UK

5 km • Wiese/Parkwege • 21.25 min/Platz 19 (von 163 TeilnehmerInnen)

Parkrun – eine UK-weite nicht-kommerzielle Laufserie von Läufern für Läufer. Findet in unzähligen Städten, Kleinstädten und sogar Dörfern ganzjährig jeden Samstagmorgen statt. Also rund 50 Mal im Jahr. Offen für jedermann. Jeder Parkrunner kann bei jedem Parkrun mitmachen: als Läufer oder Zeitnehmer bzw. Streckenposten. Da wir öfter mal in England oder Wales sind, haben wird den Parkrun fast zwangsläufig entdeckt. Meine Frau hat zum ersten Mal im Oktober 2012 am Parkrun Eastbourne (East Sussex, Südengland) teilgenommen, ich an selber Stelle im Jahr darauf.

Start im Shinewater Park ist um 9 Uhr. Der 5-km-Kurs führt über Wiesen, befestigte Sandwege und Asphalt. Alles in allem eine toughe Strecke, besonders bei Regen und Wind. Und beim Parkrun wird gerannt! Vom Startschuss weg. Da gibt’s kein Rantasten oder so was. Die Zeiten der schnellsten Männer und Frauen sind beeindruckend für Freizeitläufer. Selbst noch die der Zehntplatzierten. Mit meiner 21.25er-Zeit kam ich knapp unter die besten 20. Und ich war völlig alle im Ziel. Zumindest platzierte ich mich mit diesem Ergebnis knapp unter den Top 500 der Eastbourner Parkrun-Geschichte.

Wer also mal in England, Wales oder Schottland unterwegs ist und Lust auf ein schnelles Rennen früh am Samstagmorgen hat, checkt parkrun.co.uk. Wichtig: Wer sich online registriert und seinen persönlichen Läufer-Strichcode (zu Hause ausdrucken) mit zum Run bringt, kommt mit in die Zeitmessung und in die Statistiken auf der Homepage. Wer keinen Code dabei hat, kann mitlaufen, wird aber nicht gemessen. Ob mit oder ohne – ein Parkrun ist ein tolles (Urlaubs-)Erlebnis für Freizeitläufer.

 

26. Oktober – 1. Hamburger Meilenlauf

555-m-Runden – Laufzeit: 60 min • Fliesen/Granit • 12. Platz (von 240 TeilnehmerInnen)

Einige Wochen vor dem Termin hatte ich von diesem Event – einem Spendenlauf im Obergeschoss eines Hamburger Einkaufszentrums – in der Zeitung gelesen, es dann aber wieder vergessen. Am Tag vor dem Rennen waren meine Frau und ich dann zufällig in jenem EKZ, der „Hamburger Meile“, und stolperten praktisch über den Spendenlauf-Infostand. Kurz überlegt, nachgemeldet. 18 Stunden später wieder vor Ort. Obwohl man über die Jahre schon gefühlte tausend Mal in diesem Einkaufszentrum gewesen war, wirkte es als Rennstrecke irgendwie fremd. Der Kurs führte vorbei an Mode-, Sport- und Spielzeugläden, an Coffee- und Snack-Shops – 555 Meter pro Runde. Eine Bank ließ für einen guten Zweck soundso viel Euro pro Läufer pro Runde springen. Laufzeit 60 Minuten. Das war ’ne schöne Motivation: auf solch einer „exotischen“ Strecke ordentlich Geld zusammenlaufen. Der Beste, ein halbwegs bekannter Straßenläufer aus Hamburg, schaffte grandiose 30 Runden! Danach kamen zwei Läufer mit 26 Runden, vier mit 25, einer mit 24 und dann rund 15 mit 23 – darunter ich. Über den 12. Platz in der Endabrechnung hab ich mich echt noch tagelang gefreut. Blöderweise kam das tolle Feeling des Laufs nicht wieder hoch, als ich Tage später ganz normal als Kunde durch die Geschäfte ging. Schade.