Läufe 2015

 ++RESÜMEE++

Das war eine überwiegend gute Lauf-Saison mit einem tollen Ausklang: nicht nur, weil ich bei einem offiziellen Rennen tatsächlich Gesamtsieger geworden bin (Skyline-Run), sondern vor allem auch, weil ich es doch noch geschafft habe, die 5-km-Distanz in unter 20 Minuten zu laufen (Travemünde). Das war mein großes Ziel für 2015, auf das ich hintrainiert hatte. Der Renngewinn hingegen war absolut ungeplant, ein reiner Zufall – und ein Ereignis, das sich aller Voraussicht nach nicht wiederholen wird.

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• 22. März – Ostseelauf Timmendorfer Strand – 5 km / Bericht

• 12. April – Wilhelmsburger Insellauf (Hamburg) – 5 km / Bericht

• 1. Mai – Trittau bewegt sich – 6,2 km / vom Veranstalter abgesagt

• 2. Mai – Parkrun Folkestone/UK – 5 km / Bericht

• 8. Mai – City Nord Lauf (Hamburg) – 3,4 km / Bericht

• 31. Mai – Hoisbütteler Hasenlauf – 5 km / nicht angetreten

• 7. Juni – Veritas Hafenlauf (Hamburg) – 5,2 km / Bericht

• 14. Juni – Bergedorfer Citylauf (Hamburg) – 5 km / Bericht

• 5. Juli – Spreehafenlauf Veddel (Hamburg) – 5 km / Bericht

• 11. Juli – Volkslauf Ihringshausen (Kassel) – 5,4 km / Bericht

• 17. Juli – Buntekuhlauf (Lübeck) – 5,3 km / Bericht

• 25. Juli – Vattenfall City-Nacht (Berlin) – 5 km / Bericht

• 29. August – Möllner City Lauf – 4 km / Bericht

• 5. September – Usedom-Halbmarathon – 21 km / Bericht

• 12. September – Feuerwehrlauf Travemünde (Lübeck) – 5 km / Bericht

• 20. September – Skyline-Run Georgswerder (Hamburg) – 3,2 km / Bericht

• 18. Oktober – Worthing 10k Fun Run/UK – 10 km / Bericht

 

 

18. Oktober – Worthing/UK – 10k Fun Run

10 km • Asphalt/Wiese • 44.45 min/38. Platz

Herbstferien. Endlich wieder nach England! An die Südküste, die Sunshine Coast. In unser geliebtes Eastbourne, wo dank des Golfstroms sogar im Oktober oft noch T-Shirt-Wetter vorherrscht.

So wie dieses Jahr auch wieder. Gleich am zweiten Tag, bei 15 Grad und Sonnenschein, stand für mich der 10-Kilometer-Lauf in Worthing (16 km westlich von Brighton), einem beschaulichen Seebad mit einer lang gezogenen, rausgeputzten Promenade auf dem Programm. Auf eben jener sollte ich meinen ersten offiziellen 10er überhaupt laufen.

Für mich war dieses Rennen so etwas wie das abschließende Highlight meiner diesjährigen, erfolgreichen Laufsaison. Das Event kannte ich bereits aus dem Vorjahr, weil Frau Run-with-me damals daran teilgenommen hatte. Deshalb wusste ich, was von der Strecke her, dem Teilnehmerfeld und den äußeren Bedingungen auf mich zukommen würde.

Im Vorfeld hatte ich mich dazu entschieden, die 10k ganz unambitioniert anzugehen. Mir keine Zielzeit zu setzen und mich nicht zu verausgaben. Einfach im Feld mitschwimmen und das Ganze ohne Platzierungsstress genießen. Klappte aber nicht. Das gute Wetter, meine schmerzfreie körperliche Verfassung und das Wettkampf-Feeling pushten meinen Ehrgeiz-Level und den Drang nach einem guten Ergebnis in die Höhe. Also sollten am Ende doch die persönliche Bestzeit und ein Rang in den Top 50 stehen.

Besser sein als 47.30

Bei meinen spärlichen Trainingsläufen über zehn Kilometer war ich nie schneller als 47:30 Minuten gewesen. Und dabei musste ich schon ordentlich powern, um „so schnell“ zu sein. Mit solchen Zeiten kann man bei Wettkämpfen natürlich gar nichts reißen. Aber egal. Jetzt stand ich im Startbereich meines ersten 10ers und wollte es besser machen.

Ich stellte mich relativ weit vorne auf und kam nach der Starttröte auch ganz gut weg. Nach rund einem Kilometer, auf Höhe des Pavilion Theatre, dem architektonischen Schmuckstück der Promenade, befand ich mich tatsächlich irgendwo zwischen Platz 40 und 50. Bei Kilometer drei, einem netten Abschnitt mit vielen kleinen, hölzernen Badehäuschen auf dem breiten Kieselstrand, wurde ich von drei Konkurrenten eingesammelt, nachdem ich zwei andere überholt hatte.

Die letzten 500 Meter bis zum Wendepunkt ging’s runter von der Promenade, rauf auf die grüne Wiese. Als meine Uhr eine zurückgelegte Distanz von 4,7 Kilometern anzeigte, kamen mir der Führende und die direkten Verfolger entgegen. Dann noch drei größere Pulks von Läufern, sodass ich mich ungefähr auf Rang 45 wähnte.

Slalom-Einlage auf dem Rückweg

Auf dem gesamten Rückweg wurde ich dann nur noch von einem Läufer überholt, der so an mir vorbei schoss, als sei er gerade erst gestartet. Das war bei Kilometer sieben. Meine Taktik sah vor, ab dem Pavillon Theatre noch mal alles reinzulegen. Etwas erschwert wurde die Sache, weil die Promenade auf dem Rückweg urplötzlich brechend voll war – überall Spaziergänger, Kinder auf Rädern und Rollern, Jogger, Walker und Hunde. Trotz der teilweise zehn Meter breiten Promenade musste man oft ausweichen oder sogar mal abbremsen.

Hundert Meter vor dem Ziel, das sich an der Splash Point Marine Parade auf Höhe des Worthing Rowing Club befand, bildeten dann unzählige applaudierende Zuschauer ein nettes Empfangsspalier. Nach 44:45 Minuten, einer Zeit, die bei einem 10-km-Rennen eigentlich bedeutungslos, für mich persönlich aber eine bisher unerreichte Bestleistung ist, passierte ich als 38. von rund 140 Männern (insgesamt 310 TeilnehmerInnen) das „Finish“-Schild.

Am Ende bleibt zu sagen: tolle Veranstaltung, tolles Wetter, tolle Strecke, tolles Finisher-Shirt. Dazu das internationale Flair eines Laufs im Ausland – das alles machte die Sache sehr besonders. Nächstes Jahr wieder, würde ich sagen. Und dann vielleicht gemeinsam mit Frau Run-with-me, die sich diesmal auf die samstäglichen Parkrun-Läufe (5 km) in Eastbourne und Hastings verlegt hatte.

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20. September – Skyline-Run 2015

3,2 km • Asphalt/Metallbohlensteg • 12.57 min/1. Platz (1. M45)

In dem Moment, als ich die Online-Anmeldung zu dieser Veranstaltung abschloss, hatte ich eigentlich auch schon keine Lust mehr darauf. Was aber nicht speziell am Skyline-Run lag, sondern an meiner allgemeinen Laufmotivation in diesen Tagen.

Im Nachhinein bin ich natürlich heilfroh, an dieser 3. Auflage des Wettlaufs auf den Energieberg Georgswerder* teilgenommen zu haben – denn es war mein erster Gesamtsieg überhaupt bei einem offiziellen Event. Und obendrein eine super Zeit für mich, mit der ich, angesichts eines Bergrennens, nie gerechnet hätte.

Die Strecke führte vom Informationszentrum am Fuße des Bergs zunächst in schnellen Zickzack-Anstiegen, dann in einer langgezogenen Schleife um den Berg herum auf den 900 Meter langen „Horizontweg“**, an dessen Ende das Ziel wartete. Insgesamt waren 40 Höhenmeter zu bewältigen.

Plötzlich ganz vorne

Ich hatte mir vorgenommen, vom Start weg die ersten Steigungen mit ordentlich Speed zu nehmen und dann auf der langen Schleife ein relativ gleichmäßiges, schnelles Tempo zu finden. Eine Platzierung unter den Top 10 war mein erklärtes Ziel. Nach 300 Metern, kurz vorm Abzweig auf die Schleife, lag ich plötzlich schon an zweiter Stelle und merkte, dass der Führende, der später als Dritter einlief, langsamer wurde. Ich fühlte mich stark und überhaupt noch nicht angestrengt, also überholte ich ihn – und war ganz vorne.

Kein Läufer mehr vor mir. Das hatte ich noch nie erlebt und kriegte etwas das Flattern. Jetzt war ich der Gejagte. Der Eine, an dem die Spitzengruppe klebt und der sich keine Blöße mehr geben darf. Ich fühlte mich tatsächlich wie von der Meute gehetzt. Und dachte nur, wie peinlich es mir wäre, wenn mich ein, zwei oder gar mehr Verfolger einsammeln würden, sobald ich schwächele. Genau das war dann aber auch mein Antrieb, nicht nachzulassen. Ich vermied es bewusst, mich umzuschauen, um nicht nervös zu werden, falls ein Läufer dicht hinter mir wäre. Hören konnte ich die anderen aufgrund der Musik von meinem MP3-Player auch nicht.

Bloß nicht zu früh freuen

Bei der 2-Kilometermarke, kurz vorm Horizontweg, hatte ich das erste Mal das Gefühl, es tatsächlich schaffen zu können – ein Rennen gewinnen zu können! Gleichzeitig dachte ich: „Freu dich nicht zu früh, fühl dich auf keinen Fall sicher. Das haben schon ganz andere getan, wurden noch überholt und waren am Ende die Oberdeppen.“ Mit buchstäblich letzter Kraft hielt ich mein Tempo aufrecht und blickte mich 150 Meter vorm Ziel dann doch noch mal um: was für eine Erleichterung, als ich sah, dass ich uneinholbar vorne lag.

Später bei der Siegerehrung unten vorm Informationszentrum, wo sich mittlerweile auch die Teilnehmer der 5- und 10-Kilometerläufe eingefunden hatten, war’s mir zunächst eher unangenehm, dass ich nach vorne musste und alle auf mich schauten. Aber als ich so dastand mit meiner Siegerplakette und alle klatschten, dachte ich: „Cool, genieß das mal, denn Gesamtsieger eines Rennens wirst du wahrscheinlich nie wieder.“

* Ehemals als Hamburger „Giftberg“ für Industrieabfälle und Sondermüll bekannte Deponie auf der Elbinsel Wilhelmsburg. 1979 geschlossen, ab 1986 saniert und Anfang der 2000er durch ökologische Maßnahmen renaturiert. 2010 als Projekt der Internationalen Bauausstellung Hamburg unter dem Namen „Energieberg Georgswerder“ vorgestellt. 2013 in Teilen für die Öffentlichkeit freigegeben.

** Ein 900 Meter langer, bei Dunkelheit illuminierter Rundweg, teils auf Stahlstelzen, um die Bergkuppe herum. Bietet einen tollen Ausblick u. a. auf die Innenstadt und Hafen-City mit der neuen Elbphilharmonie.

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12. September – 13. Feuerwehrlauf Travemünde

5 km • Asphalt/Sand • 19.28 min/5. Platz (1. M45)

YES! I did it!! Beim Volkslauf der Berufsfeuerwehr Lübeck in Travemünde habe ich mein großes Ziel, die fünf Kilometer in unter 20 Minuten zu schaffen, endlich erreicht.

Travemünde – oder „Lübecks schöne Tochter“, wie der sympathische Stadtteil mit seiner über 200-jährigen Geschichte als Seebad im Volksmund auch genannt wird – ist jährlich Austragungsort des Volkslaufs des Feuerwehrsportclubs Lübeck.

Die Veranstaltung war ursprünglich gedacht für Mitglieder der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehren, der Polizei, der Justizbehörden sowie der Stadtverwaltung, ist aber zugleich offen für jederman. So waren denn bei dieser 13. Auflage einige mir bekannte Gesichter von den Läufen in Lübeck-City, Timmendorfer Strand, Mölln und Buntekuh dabei.

Am Fuße des 125 Meter hohen Maritim-Hotels, direkt auf der Strandpromenade, hatten die Organisatoren mit der Drehleiter eines Einsatzfahrzeugs den „Startbogen“ gebaut. Tolle Idee, sehr einfallsreich. Drum herum ein paar Zelte, Info- und Verpflegungsstände – fertig war das thematisch super angepasste rot-weiße Läufer-Camp.

Start-Ziel-Sieg der Favoriten

Zum Start des 5-Kilometer-Laufs um elf Uhr, bei strahlendem Sonnenschein, war auf der Promenade bereits ordentlich was los: Spaziergänger, Radler, Strandbesucher und zahlreiche russische Matrosen mit ihren übergroßen weißen Ausgehmützen säumten unsere Rennstrecke und sorgten hier und da für Stimmung.

Schon beim Warmmachen hatte ich ein sehr gutes Gefühl – trotz des Halbmarathons auf Usedom sieben Tage zuvor – und nahm mir eine Zielzeit unter 21.30 Minuten vor. Vom Startschuss weg machte das Favoriten-Trio dieses Laufs, das später auch auf den ersten drei Rängen wieder einlief, mächtig Tempo. Dahinter ein weiterer Läufer – und ich. Es fiel mir erst mal tatsächlich nicht schwer, der Spitze zu folgen. Das zog mich schnell weg vom nachkommenden Läuferfeld.

Tempo halten, Platz 5 sichern

Am Ende der Promenade ging’s bergan Richtung „Hermannshöhe“-Café auf’s Brodtener Steilufer. Dabei konnte ich den Abstand zu meinen Verfolgern noch vergrößern, verlor aber gleichzeitig etwas an Boden zu dem Läufer vor mir, den ich bis zum Ziel auch nicht mehr angreifen konnte. Am Wendepunkt (mit herrlichem Blick über die Ostsee) merkte ich, dass erst rund 300 Meter nach mir die Nächsten kamen. Die würden mich nicht mehr holen, wenn ich mein Tempo nur halten könnte. Und das konnte ich an diesem Tag – sogar eine kleine Tempoverschärfung auf dem Promenaden-Schlussstück war noch drin.

Beim Schritt über die Ziellinie hatte ich mit Platz 5 meine beste Gesamtplatzierung überhaupt geschafft und die M45-Altersklasse gewonnen – aber was war mit der Zeit? Gefühlt war ich sehr schnell, doch das täuscht ja öfter auch mal. Beim Blick auf die Uhr, die ich während des Rennens nur ein Mal gecheckt hatte, war ich dann erst mal baff und hatte ein nachträgliches Runner’s High: 19.28 Minuten. Unter 20.00 geblieben! Zum ersten Mal überhaupt. Dafür war ich im Ziel allerdings auch total fertig, brauchte gut zehn Minuten, um wieder auf Normaltemperatur runterzufahren. Und im Moment kann ich mir nicht vorstellen, diese Energieleistung so schnell noch mal zu bringen.

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5. September – 25. Usedom-Halbmarathon

21 km • Asphalt • 2.05 Std./140. Platz (28. M45)

Jubiläum beim Usedom-Halbmarathon: 2015 fand er zum 25. Mal statt – und gleichzeitig zum letzten Mal. Zumindest in seiner ursprünglichen Form und Streckenführung, die von den Behörden nicht länger gestattet wird. Nächstes Jahr gibt’s einen neuen Kurs, der dann als „1. Wasauchimmer-Lauf“ betitelt wird.

Umso schöner, dass wir (Frau Run-with-me und ich) an dieser letzten traditionellen Auflage teilgenommen haben. Für die langjährige Veranstaltung war’s also das Ende, für uns allerdings der Beginn von etwas Neuem, denn bisher hatten wir noch nie bei einem Halbmarathon mitgemacht.

Unser 21-Kilometer-Debüt wollten wir denn auch etwas größer anlegen: die Kinder – und obendrein beide Omas – eingepackt und für zwei Nächte eine Wohnung in einem Usedomer Ferienpark gemietet. Morgens drei Stunden Fahrt hin nach Wolgast, wo der Halbmarathon startete, und hinterher drei Stunden zurück wäre uns dann doch zu stressig gewesen. Also machten wir einen entspannten, mehrtägigen Ausflug für die ganze Familie daraus.

Die Anreise am Freitag verlief problemlos, die geräumige Ferienwohnung mit drei Schlafzimmern und kleinem, schicken Hallenbad vor der Tür war eine prima Wahl. Ernüchterung dann am Samstagmorgen: Es regnete. Und zwar heftig. Allerdings waren wir 15 Kilometer vom Veranstaltungsort entfernt und auf dem Weg zur Vereinsanlage von Ausrichter Rot-Weiß Wolgast besserte sich das Wetter bis hin zu gelegentlichem Sonnenschein.

Deutsch-polnische Grenzläufer

Vor Ort erwartete uns bereits ein buntes Treiben: auf dem Kunstrasen Jugendfußball, im gepflegten Stadion mit Rasenplatz und Aschenbahn die Laufkulisse. Die rund 250 Teilnehmer kamen vorwiegend aus der Region Berlin-Brandenburg-MeckPomm – und aus Polen, denn die Grenze ist nur rund 40 Kilometer entfernt. Der Clou an der internationalen Nachbarschaftslage: Die parallele Hauptveranstaltung – der „36. Usedom-Marathon“ – startete im polnischen Seebad Swinoujscie (Swinemünde) und führte die Teilnehmer entlang der Küste über Ahlbeck, Heringsdorf, Bansin, Ückeritz, Koserow, Zinnowitz und Zempin bis ins Wolgaster Peene-Stadion.

Unsere insgesamt attraktive bis malerische HM-Streckenführung hatte ein klares Highlight, das wir gleich zweimal überlaufen durften: die knallblaue Peene-Brücke. Das rund 250 Meter lange Bauwerk mit Waagebalken-Klappmechanismus ist die Verbindung von der Wolgaster Schlossinsel zur Insel Usedom und somit einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Region. Wegen uns Läufern wurde der Kraftverkehr auf der Brücke tatsächlich kurzzeitig voll gesperrt – bis der letzte durch war. Und das, wie gesagt, zweimal. Denn auf dem Rückweg ging’s erneut über das blaue Wahrzeichen.

Das Rennen selbst verlief für uns ohne Zwischenfälle, wir hatten auch keine läuferischen Ups und Downs – wir liefen einfach so dahin, und die ersten 14 Kilometer vergingen wie im Fluge. Dann stellten sich bei uns beiden ein paar leichte Belastungswehwechen ein, aber nichts, weswegen man langsamer werden oder gar stehenbleiben musste. Im Gegenteil, wir sammelten noch einige Teilnehmer ein, die das Rennen offensichtlich zu schnell angegangen waren. Auf der abschließenden halben Stadionrunde zogen wir noch mal an – und dann war’s das auch schon.

Arme Schweine am Straßenrand

Gefühlt hatten wir höchstens so was wie einen 15-km-Trainingslauf hinter uns, aber nicht das, was wir uns zuvor (ein wenig ehrfurchtsvoll) unter „Halbmarathon“ vorgestellt hatten. Das hatten wir wesentlich aufreibender eingeschätzt, zumal wir als Neulinge keine Ahnung von dieser Distanz bzw. der Strecke hatten, geschweige denn von irgendwelchen HM-Taktiken. Mit unserem 6er-Pace ging das alles ganz locker und schmerzfrei.

Im Zielbereich auf der weitläufigen Rot-Weiß-Anlage gab’s gegen Verpflegungsmarken zwei Eintöpfe und Getränke zur Auswahl. Dort saßen wir dann noch – oberhalb des Zielbogens, durch den irgendwann die ersten Marathonis eintrudelten – mit den Omas und Kindern eine halbe Stunde beim Essen, bevor wir unsere Urkunden ausdrucken ließen und uns wieder auf den Weg machten.

Auf der Rückfahrt Richtung Zinnowitz, also entlang der Marathon-Strecke, fing es stark an zu regnen. Während wir trocken und bequem im Auto fuhren, kamen uns auf dem Radweg am Straßenrand die Marathonis entgegen. Viele quälten sich, patschnass und bei Gegenwind, scheinbar nur noch so dahin. Da leidet man dann tatsächlich ein wenig mit und ist gleichzeitig glücklich, sein eigenes Ding bereits hinter sich zu haben – und nicht zu den armen Schweinen dort draußen in dem Wolkenbruch zu gehören, denen bereits 30 teils hügelige Kilometer in den Knochen stecken. Und die noch lange nicht angekommen sind.

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29. August – 19. Möllner Citylauf

4 km • Asphalt • 16.38 min/12. Platz (2. M45)

Mölln, eine 20.000-Einwohner-Kleinstadt in Schleswig-Holstein. Vielleicht schon mal gehört? Kennt man doch irgendwie, oder? Selbst wenn man in München, Frankfurt, Aachen oder Cottbus wohnt. Genau: Es ist die „Eulenspiegel-Stadt“.

Dort, wo einst Schalksnarr Till Eulenspiegel (*1300 †1350) gegen Ende seines Lebens seinen Schabernack getrieben haben und auf dem Kirchberg begraben liegen soll, veranstaltet der Möllner SV jährlich seinen gleichnamigen Volkslauf.

Die kurze Strecke – der vier Kilometer lange „Kreissparkassenlauf“ – beginnt und endet mitten im Stadtzentrum, führt unterwegs viel an Wasser (Schulsee, Hegesee) vorbei bzw. entlang und ist durchgehend flach. Von der Distanz und Profilierung her also ideal, um das Ganze von Beginn an mit ordentlich Tempo anzugehen.

Das wollten natürlich auch die meisten anderen der knapp 200 TeilnehmerInnen. Meine Altersklasse M45 war dabei mit 17 Startern die zahlenmäßig stärkste – und ebenso, wie bei den meisten Volksläufen, eine sehr erfolgreiche, was die Gesamtplatzierungen betrifft.

Vom Start weg ging’s dann auch sprichwörtlich ab wie die Feuerwehr. Doch es waren viele Läufer dabei, die sich (wahrscheinlich angesichts der vermeintlich kurzen Distanz) überschätzt hatten und schnell einbrachen. Bei Kilometer eins waren noch rund 40 Teilnehmer vor mir, bei Kilometer zwei lag ich bereits um Position 20. Am Ende schaffte ich meine Standardziele: insgesamt unter die Top 15 und in meiner Altersklasse unter die Top 5 kommen.

Lohn der Mühe waren eine nette Urkunde und ein Glas Honig vom örtlichen Imker. Ein schöner Preis! Am meisten gefreut hab ich mich im Nachhinein aber über meinen Pace beim ersten und vierten Kilometer: jeweils unter vier Minuten! Das hatte ich bislang nur ein Mal bei einem offiziellen Wettkampf geschafft.

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17. Juli – 9. Buntekuhlauf (Lübeck)

5,3 km • Asphalt • 21.57 min/14. Platz (2. M45)

Wer auf der A1 über Hamburg hinaus nach Norden fährt, erreicht nach rund 60 Kilometern Lübeck. Eine der ersten Abfahrten ist Buntekuh – ein jüngerer Stadtteil, dessen lustig-sympathischer Name über Jahrzehnte bei Millionen von Autobahnreisenden zumindest für ein Schmunzeln gesorgt haben dürfte.

Der örtliche Sportverein namens SC Buntekuh Lübeck bietet jährlich einen Volkslauf an, diesmal war’s die 9. Auflage. Die verschiedenen Rennen haben, passend zur Altersklasse, tolle Rindvieh-inspirierte Titel wie Kälbchenlauf (800 m, bis 9 Jahre), Jungkuhlauf (1,9 km, Mädchen/8-15 J.), Ochsentour (10,5 km) oder Rindermarsch (5,3 km, Walken). Großartig!

Toll ist auch, dass die Veranstaltung freitagabends stattfindet: raus aus’m Büro, zum Rennort düsen, laufen, nach Hause und dann noch zwei freie Tage am Stück – so macht mir volkslaufen am meisten Spaß. Weniger toll war das erneut sehr warme Wetter. Irgendwie hatte ich an diesem Abend deswegen noch mehr Probleme als eine Woche zuvor in Ihringshausen – und dort war’s wirklich heiß und obendrein extrem hügelig.

Das Ende vom Lied: Ich schaffte meine angestrebte Zeit von zirka 20.30 Minuten (wie zuvor z. B. in Veddel und Bergedorf) nicht. Die hätte hier für Platz sechs gereicht. Stattdessen wurden es 21.57 Minuten und der 14. Platz. Wenigstens sprangen dafür noch der zweite Rang in meiner Altersklasse und ’ne nette Urkunde bei der Siegerehrung raus.

Das Beste vom Abend kam aber erst noch: Auf halbem Weg zwischen Veranstaltungsort und Autobahnauffahrt befindet sich ein Einkaufszentrum mit ’nem Burger King. Schon auf dem Hinweg hatte ich mir geschworen, hinterher – quasi als Belohnung für die Laufquälerei und die monatelange Enthaltsamkeit, was Fast Food angeht – Burger/Pommes/Cola zu ordern. Zumindest dabei hatte ich dann vollen Erfolg.

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11. Juli – 40. Volkslauf der LG Fuldatal (Ihringshausen)

5,4 km • Asphalt u. Waldwege • 23.20 min/28. Platz (5. M45)

Wochenendbesuch bei Oma im Hessischen. Mutter, Vater, Sohn und Sohn: alle ab nach Kassel – das komplette „run-with-me“-Laufteam on tour.

Der Wagen ist vollgepackt, als würden wir zwei Wochen wegfahren. Das liegt auch daran, dass diesmal jeder seine Sporttasche dabei hat, denn die ganze Familie wird am Volkslauf in Ihringshausen teilnehmen. Der Kleine rennt 400 Meter, der Große 1000, Mama und Papa 5400.

Die Kinder tragen ihre Wettkämpfe auf der Sandlaufbahn rund um den Fußballplatz aus. Ruckzuck geht das, alle zehn Minuten treten die Altersklassen an die Startlinie. Und sch…heiß ist es, 27 Grad auf dem staubigen Geläuf. Aber (kleineren) Kindern ist das ja eher egal, die rennen einfach drauf los. So wie unser Jüngster (6 J./U8): Startschuss, ab die Post, nach 1.54 Minuten wieder da, Sachpreis abholen, einen Schluck trinken, den Fußball schnappen und abseits des Renngeschehens ein bisschen bolzen. Platzierung, Zeit? Alles Banane. Zumindest Eltern, Oma und Bruder freuen sich über den 3. Platz in seiner Altersklasse.

Bei unserem Großen (9 J./U10) geht’s schon etwas ernsthafter zur Sache. Harte Vereinskonkurrenz ist mit am Start, die lautstarken Trainer wollen vollen Einsatz und gute Zeiten sehen. Zweieinhalb Runden bei diesen Temperaturen auf ’ner Aschenbahn sind allerdings nicht gerade die besten Voraussetzungen dafür. Trotzdem schafft unser angehender Viertklässler die Strecke in 4.18 Minuten. 5. Platz in seiner stark besetzten Altersklasse. Sehr cool!

Aufreibende Berg-Tour

Dann der Startschuss für meine Frau (Betreiberin dieses Blogs) und mich, der bis vor einer Woche noch nicht mal wusste, dass es überhaupt irgendwo ein Ihringshausen gibt. Geschweige denn, dass dieser Kasseler Vorort richtig imposante Hügel hat, die für mich als Schleswig-Holsteiner definitiv in die „Berg“-Kategorie fallen. Und die werden für den Volkslauf, an dem das wohl wissende Normalo-Läufervolk der Region nur ganz begrenzt teilnimmt, keinesfalls ausgespart. So müssen wir uns hauptsächlich mit Vereins- und Lauftreff-Cracks messen, für die diese Veranstaltung Teil des „Nordhessencup 2015“ (17 Rennen) ist.

Gleich nach der Stadionrunde geht’s extrem steil bergab, kurz darauf nicht ganz so steil bergauf, dafür aber sehr lang gezogen. Als ich das hinter mir habe, denke ich: „Okay, schwierig, aber machbar.“ Und dann folgt Steigung auf Steigung in ewig langen Abschnitten. Immer wenn ich meine, es würde gleich auch mal flacher weitergehen, kommt wieder ’n Hügel. Das härteste Stück für mich, obwohl im Schatten, ist ein endloser, serpentinenartiger Waldweg. Die nackte Hölle! Auf dem letzten Kilometer tempomäßig noch mal in die Offensive zu gehen, hab ich da längst abgehakt. Ich will nur noch ankommen – einzig wichtig dabei: nicht mehr von dem Läufer zwanzig Meter hinter mir, der an jeder neuen Steigung laut „Neiiin … ihr seid ja nicht ganz dicht!“ ruft, überholt zu werden. Ich glaube, er ist dann vor dem letzten „Steilhang“ (jenes erste Stück gleich nach dem Start) stehen geblieben.

Dahin, wo’s wehtut

Im Ziel ist mir kurz mal so, als würde ich umkippen, doch ich kann mich gerade noch unauffällig gegen die Rückwand des Ersatzbankhäuschens lehnen. Egal. Wer nicht dahin geht, wo’s wehtut, kann auch nichts reißen (alte Fußi-Weisheit). Der Blick auf die Ergebnisliste später in der Sporthalle ist allerdings etwas ernüchternd: 23.20 Minuten, 28. gesamt, 21. der Männer, 5. meiner Altersklasse. Doch im Nachhinein angesichts der Umstände – Strecke, Temperatur, Konkurrenz – ein ordentliches Resultat. Meine Frau ordnet ihr Ergebnis (30.37 Min., 32. der Frauen) ähnlich ein. Ausgezahlt hat sich das Ganze am Ende trotzdem noch, denn unsere Söhne gewannen bei der Startnummern-Tombola jeweils ein Glas Nutella.

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5. Juli – 3. Veddeler Spreehafenlauf

5 km • Asphalt • 20.17 min/10. Platz (1. M45)

Schwierige Strecken, harte Konkurrenz oder widrige Umstände wie Regen und Hagel – das alles sind sportliche Herausforderungen, die ich im Wettkampf jederzeit gerne annehme.

Aber beim Rennen in einer Bullensaharaaffenhitze, wie beim diesjährigen Spreehafenlauf in Hamburg-Veddel, komm ich echt an meine Grenzen. Gefühlt zumindest, denn mein Ergebnis ließ das nicht vermuten: 20.17 Minuten bedeuteten meine All-time-Bestzeit über fünf Kilometer. Und das an so einem Tag! Da kam nach der großen Erschöpfung im Ziel und dem Ausdruck der Urkunde am Do-it-yourself-Terminal richtig Freude auf. Bis dahin wusste ich meine genaue Zeit nämlich nicht und lag in meiner Schätzung rund zwei Minuten drüber. So hätte ich’s gern immer: dass sich die ganze Schinderei dermaßen befriedigend auszahlt.

Dabei hatte ich noch Glück und dürfte überhaupt nicht rumheulen wegen der Hitze, denn am Tag zuvor, als meine Frau den Hamburger Craft Women’s Run im Stadtpark mitlief, war es noch ganze zehn Grad wärmer! Und in knapp 28 Minuten war sie durch mit dem Thema. Nur eine Minute langsamer übrigens als Doppel-Olympiasiegerin Heike Drechsler (50), das prominente Zugpferd dieses reinen Frauenlaufs (mit 1200 weiteren „Laufperlen“ auf der 5-km-Strecke).

Die ebenfalls 50-jährige Siegerin meines Veddel-Laufs brauchte nur 19.49 Minuten. Wahnsinn! An ihr orientierte ich mich übrigens während des Rennens – die ging gleich so ab, da wollte ich dran bleiben, um schnell Abstand zum Feld zu schaffen und mich in der erweiterten Spitzengruppe festzuhaken. Hat auch gut geklappt bis zu den letzten anderthalb Kilometern. Dann zog sie ab, als hätte sie den Boost-Knopf gedrückt, und kam knapp 30 Sekunden vor mir, als Gesamtneunte, rein.

Beeindruckt bei dieser Veranstaltung hat mich aber vor allem eine Laufgruppe aus farbigen 17- bis 20-jährigen Jungs, laut Starterliste allesamt aus Eritrea, begleitet von ihrem spanischen Trainer, die für den lokalen Jugendhilfe-Verein Veddel aktiv antraten. Alle kamen unter die Top 20, alle blieben unter 22 Minuten. Der Coach wurde Siebter, sein bester Schüler Achter. Das ist – von der rein sportlichen Leistung mal abgesehen – erfolgreiche, integrative Jugendarbeit mit talentierten Kids, die Biss haben.

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14. Juni – 4. Bergedorfer Citylauf

5 km • Asphalt • 20.39 min/8. Platz (3. M45)

Bergedorf, die „Stadtteilperle“ in Hamburgs Südosten, macht seinem Namen beim Citylauf alle Ehre.

Zwar führt die Strecke auch durch die Innenstadt/Fußgängerzone, doch zu einem großen Teil eben bergauf ins Wohnviertel hinter der malerischen Schlossanlage. Und das gleich doppelt, denn der 5-Kilometer-Kurs ist in zwei identische Runden aufgeteilt. Rund 220 TeilnehmerInnen stellten sich dieser – für einen Volks- und Inklusionslauf sehr anspruchsvollen – Herausforderung. 200 kamen ins Ziel, einige davon allerdings ohne die zweite Runde. Vor allem viele der stets hoch motivierten Kinder waren aufgrund des steilen Anstiegs, der sofort nach dem Startbereich kommt, in wenigen Minuten platt, sodass einige schon unterwegs ausschieden oder nur eine Runde absolvierten.

Am Tag vor dem Rennen, nachdem ich meine Startnummer abgeholt hatte, bin ich die mir bis dahin unbekannte Strecke mit dem Auto abgefahren – und schraubte meine persönlichen Ziele gleich mal kräftig zurück. Der lang gezogene Anstieg über insgesamt 40 Höhenmeter von der Chrysanderstraße bis zum Wendepunkt am Hansa-Gymnasium macht ordentlich Eindruck. So nahm ich mir vor, in die Top 30 zu kommen mit einer Zeit möglichst unter 24 Minuten. Zum einen wegen meines letzten, eher schwachen Ergebnisses vom Veritas-Lauf eine Woche zuvor (22.04 Min.), zum anderen natürlich wegen der zwei harten Bergpartien. Noch Sekunden vor dem Start war ich mir nicht klar darüber, wie ich die Steigungen taktisch am cleversten angehen sollte. Das Ende vom Lied: Ich hängte mich an einen erfahrenen, schnellen M50-Läufer, der auch beim Veritas- und City-Nord-Lauf (Berichte siehe unten) dabei war und den ich hier zufällig auf den ersten Metern an seinem Shirt wiedererkannte. Also nix mit Taktik, sondern einfach nur dranbleiben.

Und es lief! Wir waren so schnell ganz oben, dass ich praktisch gar keine Zeit hatte, groß zu ermüden. Wieder unten in der Fußgängerzone, rund 400 Meter vor dem Zielbereich, rief mir meine Frau vom Streckenrand aus zu, dass ich an 8. Position wäre. Das war ein kleiner Schock. Doch so weit vorne!? Aber auch Motivation zugleich: Nun wollte ich noch mal alles geben, um in den Top 10 zu landen. In dieser Phase lief ich immer noch ein paar Meter hinter dem unermüdlichen M50-Turbodiesel. Mein spontaner Finish-Plan: am Berg wieder, so gut es geht, dranbleiben, dann downhill erholen und unten die letzten Reserven aktivieren. Und er ging auf. Nach der Wende ließ ich meinen Vordermann, den ich sowieso niemals hätte einsammeln können, ziehen, kam bergrunter wieder gut zu Kräften und wurde unten etwas schneller. Da hatte ich meine zwei ärgsten Verfolger, beide 30 Jahre jünger als ich, längst abgehängt.

Lohn der Mühe: Platz acht gehalten und eine neue persönliche All-time-Bestzeit geschafft. Auf dieser Strecke! Im Ziel war ich dann aber auch so fertig wie nie, minutenlang ging erst mal gar nichts mehr. Zu schön, wenn der Schmerz dann langsam wieder nachlässt.

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7. Juni – 12. Veritas Hafenlauf Harburg

5,2 km • Asphalt • 22.04 min/7. Platz (1. M45)

Das war der kleinste Lauf, an dem ich bisher teilgenommen habe. Dabei hatte ich im Vorwege das genaue Gegenteil erwartet.

Der Veranstaltungstitel Veritas (Name des Hauptsponsors, eine international renommierte Inspektions- und Zertifizierungsgesellschaft) klang irgendwie so „groß“. Und der Harburger TB als Veranstalter ist südlich der Elbe nun auch kein unbedeutender Verein. Zudem ist die Strecke durch das Hamburg-Harburger Hafengelände recht attraktiv. Doch die 5,2-Kilometer-Distanz wollten außer mir nur noch 36 andere männliche Teilnehmer laufen (plus 45 Frauen). Bei den 10ern waren es insgesamt 95 StarterInnen. Aber je kleiner, desto familiärer. Und wer das mag, der kam von der Event-Atmosphäre her voll auf seine Kosten.

An der Strecke gefiel mir der erste Teil, direkt nach dem Start, am besten. Der führte zwischen den (noch geschlossenen) Marktbeschickerbuden des gleichzeitig stattfindenden Binnenhafenfests hindurch – das war ’ne nette, abwechslungsreiche Kulisse auf den ersten paar hundert Metern. Nach zwei Wendepunkten, der zweite bei rund drei Kilometern am Ende einer unangenehm zu laufenden Kopfsteinpflasterstraße, ging’s auf einer Zugbrücke übers Hafenbecken auf die Zielgerade.

Mein Schlussspurt war fulminant, voller Power und Wille – doch leider beendete ich ihn schon fünfzehn Meter vor der Ziellinie! Weil ich aus irgendeinem Grunde dachte, ich wär schon drin. So schlenderte ich sorglos die restlichen Meter – vor Erschöpfung stark pustend, mit gesenktem Kopf und geschlossenen Augen – gaaanz langsam Richtung Zeitschranke, ohne was zu merken. „Papa, der Oberdummie“, fiel meinem älteren Sohn hinterher dazu ein (und bekam zustimmendes Kopfnicken vom Rest der Familie). Was für ein Glück im Unglück, dass auf dem letzten Meter kein anderer Läufer mehr an mir vorbeigeflitzt ist. So blieb’s für mich bei Platz sieben, womit ich angesichts des Rennverlaufs und der Konkurrenz zufrieden war.

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31. Mai – 6. Hoisbütteler Hasenlauf

Nicht angetreten wegen Krankheit

So ein Dreck!!! Nach den kleinen Tiefs beim „City Nord Lauf“ in Hamburg und beim „Parkrun“ in Folkestone (Berichte siehe unten) war ich endlich wieder richtig gut drauf. Hatte super Trainingsläufe, fühlte mich topfit – und dann musste ich zum Kinderarzt!

Natürlich nur als Begleitung für einen meiner Söhne, aber ich wusste gleich: Wenn’s jetzt ganz blöd läuft, fängst du dir in der Praxis was ein von den anderen kleinen Virusbomben im Wartezimmer. Oder aber du hast dich längst zu Hause angesteckt. Während der Untersuchung, an deren Ende Ringelröteln diagnostiziert wurden, sagte der Kinder-Doc zu mir: „Wenn Sie das auch kriegen, kann sich das bei Ihnen in heftigen Gelenkschmerzen äußern. Ist bei Erwachsenen so.“ Alles klar, schönen Dank! Das war am Dienstag vor dem Hasenlauf. Und tatsächlich: Freitagmorgen hatte ich’s! Starke Übelkeit in Bauch und Kopf – und Gelenkschmerzen, als wäre ich gerade einen Halbmarathon ohne Vorbereitung gelaufen. Knie, Hüfte, Schultern, alles im A…!

Am Samstagmorgen keimte kurz etwas Hoffnung auf, dass ich doch noch mitrennen könnte, aber meine Frau (die Betreiberin dieses Blogs) machte einen auf Spaßbremse und verbot mir den Start. „Du wärst nicht der erste überehrgeizige, 45-jährige Trottel, der aufgrund eines nicht auskurierten Infekts tot im Ziel zusammenbricht“, beerdigte sie ruckzuck – und das zu Recht – meine auflodernde Euphorie. Okay, okay, Chef. Akzeptiert. Sonntagnacht dann noch ein Rückfall, sodass ich nicht mal in der Lage war, mir wenigstens meine Startnummer abzuholen und ein wenig Wettkampf-Atmosphäre zu schnuppern.

Heute, am Tag danach, bin ich immer noch nicht ganz übern Berg. Und schon am kommenden Sonntag steht mein nächstes Rennen an: der Veritas-Hafenlauf in Hamburg-Harburg. Der ist mir ziemlich wichtig, viel wichtiger als der Hasenlauf. Das muss unbedingt hinhauen bis dahin.

Das Ende der Geschicht: Nächstes Mal muss meine Frau mit zum Kinderarzt, nicht ich. Offensive Schadensbegrenzung wäre das. Aus meiner Sicht.

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8. Mai – City Nord Lauf Hamburg

3,4 km • Asphalt • 14.18 min/10. Platz (2. M45)

Die City Nord ist ein in den 60er-Jahren entstandenes, 115 Hektar großes Areal in Hamburg-Winterhude, an den Stadtpark angrenzend und nahe des Flughafens Fuhlsbüttel.

In großen, teils eindrucksvollen Gebäudekomplexen sind namhafte Unternehmen wie Esso, Vattenfall oder Ergo ansässig. Knapp 30.000 Menschen arbeiten in diesem Büro-Stadtteil vom Reißbrett. Genau dort, auf den Straßen und Wegen zwischen all dem Beton und Stahl, richtet der Betriebssportverband Hamburg seinen „City Nord Lauf“ für jedermann aus – an einem Freitagabend, was ich als sehr angenehm und abwechslungsreich empfinde. Die Strecken-Angebote: 3,4 (eine Runde) und 10 Kilometer (drei Runden).

Für mich war’s die kurze Runde. Und die hatte es in sich. Bei „nur“ drei Kilometern geht’s natürlich vom Start weg gleich voll ab. Beim Parkrun in Folkestone eine Woche zuvor (Bericht siehe unten) war ich das erste Mal überhaupt einen Kilometer ganz knapp unter vier Minuten gerannt, das wollte ich nun auch hier schaffen – zumindest wieder für einen Kilometer, besser noch für anderthalb oder gar zwei. Mitgerissen von all den Betriebssportassen ging ich die Strecke aber zu schnell an, sodass ich schon beim zweiten Kilometer Pace-mäßig etwas absackte – und ihn leider zu keiner Zeit unter vier Minuten drücken konnte. Auch die Oberschenkel liefen buchstäblich, wie beim Parkrun, wieder nicht rund. Mit 14.18 Minuten war ich im Ziel aber noch ganz gut bedient. Und auch mein älterer Sohn (9), der hier nachgemeldet sein erstes Rennen unter Erwachsenen machte, kam mit einer ordentlichen Zeit rein (20.14 min). Ebenso meine Frau (Betreiberin dieses Blogs; 20.16 min), die diesen kurzen Run spontan als ersten Belastungstest nach ihrer fast überstandenen „Läuferknie“-Zwangspause nutzte. Und die Haxen hielten! Das war eigentlich das Wichtigste für uns bei diesem kurzweiligen Freitagabendvergnügen.

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2. Mai – 37th Parkrun Folkestone/UK

5 km • „The Leas“-Promenade/Asphalt • 21.28 min/22. Platz

1. Mai, Feiertag in Germany. Langes Wochenende. Was unternehmen? Die Familie ist sich einig: mal wieder kurz nach England rüber, unten im Südosten an die Sunshine Coast.

Wenn wir sonst dort hinfahren, bleiben wir meist im Raum Eastbourne/Brighton, diesmal wird’s Folkestone – und dort haben sie auch einen Parkrun*: fünf Kilometer auf der netten Waterfront-Promenade namens The Leas entlang, jeden Samstag um 9 Uhr. Lauftechnisch die nackte Hölle bei Wind und Regen, aber traumhaft bei Windstille und Sonne. Diesmal war’s ein Mix – etwas windig, ganz leicht bewölkt und angenehm temperiert. Die Strecke selber entpuppt sich als schwierig. Ein First Timer (Debütant) wie ich, dem der Running Course unbekannt ist, merkt das allerdings erst unterwegs. 50 Prozent der Strecke, die zwei Wendepunkte hat, geht’s bergan: einen Kilometer rauf zum höchsten Punkt von The Leas, dann erste Wende und 500 Meter über den Startpunkt hinaus, dort zweite Wende zurück bergan zum Startpunkt, wieder den Kilometer ganz nach oben und von dort zum Ziel (Startpunkt). Der Sieger – so ein drahtiger, mittelalter Typ in ärmellosem Laufhemd und knappen Shorts, dem du schon vorher ansiehst, dass er zu den Schnellsten gehören wird – brauchte 17.05 Minuten! Wie sechs andere Läufer aus den Top 15 war auch er vom Folkestone Running Club.

Bei mir lief an diesem Morgen gar nichts rund. Ich kam vom Start weg nicht in den „Flow“, hatte nach drei Kilometern platte Oberschenkel und wurde auf dem letzten Streckenabschnitt noch von drei Läufern höherer Altersklassen eingesammelt. Ansonsten hätte ich’s noch in die Top 20 von insgesamt 124 TeilnehmerInnen geschafft, was eigentlich mein Ziel war. Damned! Not as planned. Aber selbst mit meiner 5-km-Bestzeit vom 12. April in Wilhelmsburg (Bericht siehe unten) wäre ich auf The Leas nur 16. geworden. Trotzdem: Parkrun-Läufe sind immer wieder toll – und speziell der in Folkestone ist ein sehr sympathisches Event auf einem attraktiven Course. Sofern man ihn kennt und zu nehmen weiß. Nächstes Mal weiß ich es …

* Parkrun – eine UK-weite nicht-kommerzielle, kostenlose 5-km-Laufserie von Läufern für Läufer. Findet in unzähligen Städten, Kleinstädten und sogar Dörfern ganzjährig jeden Samstagmorgen statt. Also rund 50 Mal im Jahr. Offen für jedermann. Jeder Parkrunner kann bei jedem Parkrun mitmachen: als Läufer oder Zeitnehmer bzw. Streckenposten. Bisher hatten meine Frau, die Betreiberin dieses Blogs, und ich nur am Parkrun Eastbourne teilgenommen, dieser Lauf war meine Folkestone-Premiere.

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12. April – 35. Wilhelmsburger Insellauf

5 km • Asphalt • 20.40 min/7. Platz (1. M45)

Das war ein sehr gutes Rennen: meine persönliche All-time-Bestzeit von Timmendorf (20.44 min; siehe Bericht unten) locker gehalten bzw. hauchdünn unterboten, insgesamt Fünfter der 208 männlichen Teilnehmer und – zum ersten Mal überhaupt – Sieger meiner Altersklasse M45.

Schon auf dem Weg zum Rennort, gleich neben dem Gelände der Internationalen Gartenbauausstellung 2014 in Hamburg, hatte ich ein gutes Gefühl. Die letzten Trainingsläufe im Wald und aufm Radweg waren vielversprechend, körperlich hatte ich keine Wehwehchen, und bei der Anfahrt gab’s einen Kaffee vom McDrive-Fenster. Pünktlich da war ich auch noch. Vor Ort wuselten bereits hunderte Läufer herum – auf dem Sportplatz, in der Berufsschule, die ihre Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hatte, und auf der abgesperrten Straße zwischen diesen beiden Bereichen. Allein bei meinem 5er-Lauf gingen rund 430 TeilnehmerInnen an den Start. Trotz dieses lebhaften Durcheinanders war aber jederzeit klar, was man zu tun und zu lassen hatte. Die Ansagen des Stadionsprechers waren eindeutig, die Ordner kompetent. Organisation auf hohem Niveau!

9.40 Uhr: Zehn, neun, acht, … peng! Die ersten zwei Kilometer der mir unbekannten Strecke lief buchstäblich alles wie von selbst. Da lag ich schon auf meinem späteren Zieleinlaufrang. Dann aber kriegte ich etwas Panik, weil meine Oberschenkel unerwartet keinen Bock mehr hatten aufs Laufen. Fühlten sich plötzlich an, als wär ich schon anderthalb Stunden unterwegs gewesen. Am Wendepunkt beruhigte ich mich wieder, als ich sah, dass der Vorsprung auf meine direkten Verfolger ungefähr 200 Meter betrug. Ich musste das Tempo nur halten, dann würde es reichen. Bei Kilometer drei schwor ich mir, solche sch… Wettläufe in Zukunft nicht mehr mitzumachen, und bei der 4er-Marke ächzte ich innerlich nur noch. Trotzdem war ich, was ich allerdings so nicht wahrnahm, immer noch irgendwie schnell, sodass ich bis zum Ziel nicht mehr angegriffen wurde. Blöderweise vergaß ich, meine Uhr zu stoppen, und erfuhr meine exakte Zeit erst später in der Berufsschulpausenhalle am schwarzen Brett. War ’ne schöne Überraschung. Und ich durfte bei der Siegerehrung als Gesamtfünfter der Männer sowie Altersklassenerster sogar mit auf die Bühne. Dort bekam ich dann meine kurz zuvor in der Pausenhalle selbst ausgedruckte Teilnehmer-Urkunde ein zweites Mal überreicht – aber diesmal mit Händedruck.

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22. März – Sparkassen-Ostseelauf Timmendorfer Strand

5 km • Asphalt u. Sandwege • 20.44 min/20. Platz (3. M45)

Mein Saisonauftakt 2015 in Timmendorf, einem beliebten Seebad gleich hinter Lübeck. Fünf Kilometer auf dem Strandweg entlang, direkt am Wasser.

Am Tag zuvor war es noch regnerisch und windig gewesen, sodass ich mich auf ein unangenehmes Rennen eingestellt hatte. Doch am Sonntagmorgen gab’s strahlend blauen Himmel, und fast windstill war’s auch. Timmendorf als touristisches Aushängeschild der Region präsentierte sich in der Frühjahrssonne von seiner besten Seite und die Rennorganisation machte es auch Debütanten wir mir kinderleicht, sich vor Ort zurechtzufinden.

Um 10 Uhr das Auto abgestellt, um 10.15 Uhr die Startunterlagen in der Hand, ab 10.30 Uhr warmlaufen, um 10.40 Uhr in den Startbereich, 10.50 Uhr der Startschuss. 20 Minuten und 44 Sekunden später, so das Brutto-Zeitmesssystem, war ich wieder zurück. Das Rennen selbst war hart. Nur Vereins- und Lauftreff-Athleten um mich rum, die vom Start weg abgingen wie die berühmte Luzie. Um auf diesem Niveau, das eigentlich nichts mehr mit „Volkslauf“ zu tun hatte, einigermaßen vorne dranzubleiben, musste ich von Anfang an viel mehr Gas geben, als ich eigentlich wollte. Nach zirka 1.500 Metern war ich im Tritt, bis dahin war’s allerdings ’ne Qual. Und ich konnte das für meine Verhältnisse hohe Tempo halten. Bis zum Wendepunkt sammelte ich einige Mitkonkurrenten ein, danach noch ein paar Kinder, die zu schnell losgepest waren. Einen Kilometer vor dem Ziel wurde auch ich dann noch von zwei jugendlichen Läufern eingesammelt. Egal, ich wusste, dass meine Zeit gut sein würde. Am Ende bedeuteten die 20.44: 20. von 261 TeilnehmerInnen, 16. der Männer und 3. meiner Altersklasse (M45).

Tatsächlich hatte ich mein übergeordnetes Saisonziel – die 21er-Marke knacken – bereits in diesem ersten Rennen erreicht. Genial! Und auch wieder nicht. Denn was jetzt? Jetzt hab ich in jedem weiteren Wettbewerb den Stress, diese Zeit zu wiederholen oder zumindest in der Nähe zu landen. Allerdings nehm ich solche sportlichen Herausforderungen immer gerne an und zieh gerade daraus meine Motivation. Also, mal sehen, was noch geht …

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