Airport Race, 14. September

Finale mit Flugzeugen

Meine längste Wettlaufdistanz – gleichzeitig mein läuferisches Highlight 2014 – war das Airport Race in Hamburg. 16 Kilometer bzw. 10 Meilen einmal rund um das Flughafengelände in Fuhlsbüttel, das hörte sich weder nach extremen Steigungen noch so schrecklich lang an wie ein Halbmarathon.

Weil das Ganze Neuland für mich war, hatte ich mich sorgfältig auf diese Distanz vorbereitet – u. a. mit mehreren 15-km-Trainingsläufen in den Wochen zuvor. Sicher ist schließlich sicher! Denn obwohl ich immer getönt hatte: „Wer 10 Kilometer laufen kann, der schafft auch 16“, hatte ich doch gehörig Respekt vor der Strecke. Und ein bisschen meldete sich auch der Ehrgeiz in mir: Ein 6er-Pace (oder vielleicht sogar schneller?) sollte es schon sein.

 

Der große Tag

Weil ich dazu neige, mir vor Wettkämpfen wegen jedem Pups Gedanken zu machen, war ich am Veranstaltungstag ziemlich nervös. Zum Beruhigen (und als Taschenhalter, Wasserträger usw.) hatte ich meine Mutter rekrutiert. Bepackt mit Marmeladentoast, Zitronentee und meinen Laufklamotten machten wir uns frühzeitig auf den Weg Richtung Flughafen. Dort angekommen merkte man gleich, dass es sich um eine bedeutendere Veranstaltung handelte: Es gab eigens eingerichtete Parkflächen inklusive Einweiser. Auf dem Gelände des Lufthansa Sportvereins Hamburg, dem Veranstalter des Airport Race, führte uns der erste Weg zur Startnummern-ausgabe. Danach waren die Toiletten und die Kleiderbeutelaufbewahrung dran. Jetzt konnten wir das Rahmenprogram genießen. Oder es zumindest versuchen – von wegen „Pups und Gedanken machen“ und so … Bei meiner Generalprobe für das Airport Race (siehe Laufberichte: Hamburg 2014/Rykä Frauenlauf) vor ein paar Wochen hatte nämlich mein Magen etwas verrückt gespielt, und das wollte ich heute auf keinen Fall noch einmal erleben. Dementsprechend hatte ich auch nur das obligatorische Marmeladentoast gefrühstückt. Aber nun war ich hungrig. Also schnell noch zwei Hapse vom Notfallproviant, aber mehr lieber nicht. Sobald ich laufe, hab ich sowieso keinen Hunger mehr. Um 11 Uhr sollte der Startschuss fallen. 30 Minuten vorher auf Toilette, 15 Minuten vorher zum Startbereich. Der war in Zielzeiten gegliedert. Ups, alles in Minuten angegeben, ich hatte immer in Stunden gerechnet (manchmal kann einem das Umrechnen verdammt schwer fallen, so wie in jenem Moment). Gut, dass meine Mutter dabei war und mich bei der richtigen Zeit einsortiert hat.

 

Kilometer null bis vier

Endlich fiel der Startschuss und wir gingen dicht gedrängt los, trabten kurz an – und gingen wieder. Dann kam die Startlinie, jetzt wollte ich aber wirklich nicht mehr gehen! Dachten sich wohl auch die anderen, denn wir kamen plötzlich alle wie auf Knopfdruck ins Laufen. Und sofort bogen wir runter vom Sportgelände, ab auf die Straße. Nach einem gefühlten Kilometer empfing uns ein Dudelsackspieler. Die Stimmung auf der Strecke war von Anfang an fantastisch!

Wie immer hatte ich versucht, mir vorher den Streckenplan einzuprägen. Ich wusste, jetzt ging’s erst mal ein längeres Stückchen geradeaus, anschließend links weg, an Parkhäusern vorbei und dann in eins rein! Drinnen die wendelförmige Auffahrt nach oben. Ich hab zwar generell keine große Lust auf Steigungen, aber diese war bombastisch. Alle Läufer klatschten im Takt, es hallte von den Wänden – genial!

 

Kilometer vier bis neun

Damit hatten wir die ersten vier Kilometer schon hinter uns – es lief gut für mich. Allerdings waren es unglaublich viele Läufer, und die Wege wurden langsam schmaler. Ständig rannte ich auf jemanden auf und konnte kein konstantes Tempo finden. Hätte mich vielleicht doch weiter vorne einsortieren oder einen Gang runterschalten sollen. Das muss ich mir unbedingt fürs nächste Mal hinter die Ohren schreiben. Das ständige Beschleunigen zum Überholen kostete auf Dauer viel Kraft. Aber noch war alles paletti. Bei Kilometer sechs kam der erste Erfrischungsstand. Den ignorierte ich (wie alle folgenden). Mein Plan war, während des Rennens nichts zu mir zu nehmen, um meinen Magen nicht zu reizen. Bald näherten wir uns Kilometer acht, die Hälfte war geschafft. Dann führte die Strecke durch den langen Krohnstiegtunnel unter der Landebahn. Und schon wartete die nächste Überraschung auf uns: Dort standen ein paar DJs und legten auf. Die Akustik war einfach toll und die Beats trieben mich förmlich den folgenden Anstieg hoch …

 

Kilometer zehn bis 16

Ich schau ja aus Prinzip bei Wettläufen nicht auf die Distanzanzeige, weder in der Runtastic-App noch an den Streckenschildern. Mich demotiviert das total, wenn ich weiß, ich hab noch so und so viele Kilometer vor mir. Das fühlt sich für mich dann immer doppelt so lange an. Keine Ahnung, warum das so ist. Dummerweise erspähte ich irgendwann doch eine Anzeige am Rand: 12 stand da drauf, also noch vier. Boah, wie ätzend! Ich war an meinem toten Punkt angelangt. Ich hatte keine Lust mehr und vor allem waren meine Beine schwer. Jetzt rächten sich die zahlreichen Sprints, mit denen ich meine Mitläufer anfangs überholt hatte. Nun ging es auch noch einen „Berg“ hoch, und der zog sich. Aber weiter vorne kam ein Erfrischungsstand. Ich würde dort einfach eine Gehpause einlegen. Das hatte ich zwar noch nie gemacht (ich bin doch ’ne Läuferin!), aber irgendwann ist ja bekanntlich immer das erste Mal. Und ich musste feststellen, dass Gehen in so einer Situation’ne echt gute Option sein kann. Also walkte ich den Hügel hoch. Oben angekommen, fing ich wieder an zu laufen. Zwar etwas langsam noch, aber die kurze Pause hatte gut getan! Allerdings wurde ich inzwischen von vielen Läufern überholt. Die hatten sich offensichtlich ihre Kraft besser eingeteilt als ich. Mental hing ich nun doch etwas durch. Immerhin konnte es nicht mehr allzu weit bis zum Ziel sein.

War ich erleichtert, als die Durchsagen vom Zielbereich zu mir herüberwehten. Jetzt noch mal einen kleinen Schlenker und dann vielleicht ein bisschen beschleunigen? Denkste! Es ging schon wieder einen verdammten Hügel hoch. Na ja, wohl eher ein Hügelchen … Aber ich hatte ja meine neue Renntaktik und schaltete in den Geh-Modus um. Ab dem „Gipfel“ konnte ich es endlich laufen lassen. Nur noch ein Mal rechts rum, dann abbiegen auf den Sportplatz. Nach 1.33 Stunden (netto) war ich endlich im Ziel. Und damit trotz meiner Gehpausen schneller als ursprünglich geschätzt 🙂

 

Nach dem Rennen

Jetzt war ich durstig. Richtig durstig! Meine Mutter stand netterweise gleich mit warmem Zitronentee bereit. Mein Lieblingssportgetränk, seit der vor mehr als 20 Jahren jede Woche bei meinem damaligen Lauftreff ausgeschenkt wurde.

Nur noch duschen, dann würde ich mich wieder wie neu fühlen. Da gab es allerdings ein klitzekleines Problem: Das Wasser war kalt. Aber besser eine kalte Dusche als gar keine. Aufs Haarewaschen habe ich trotzdem lieber verzichtet … Habe ich dann zu Hause alles mit viel warmem Wasser nachgeholt 😉

Im Nachhinein bin ich total stolz auf das Rennen. Im Ziel war ich erst ein wenig geknickt gewesen wegen meines Einbruchs nach 12 Kilometern. Allerdings hat mich die Erfahrung mit den Gehpausen echt weitergebracht. Ich hatte immer befürchtet, dass ich danach nicht mehr in Gang komme. Das war aber überhaupt kein Problem gewesen. Damit hatte ich ein für mich sehr hilfreiches Mittel gefunden, bei längeren Läufen einen toten Punkt zu überwinden. In den Rennen danach würde ich mich trotzdem darauf konzentrieren, die erste Hälfte nicht zu schnell anzugehen.

Das Airport Race ist eine tolle Veranstaltung, die super organisiert ist. Die Strecke ist abwechslungsreich und durch ihre „Zwischendistanz“ ideal, um sich an längere Strecken heranzuwagen. Damit bin ich meinem nächsten Ziel, dem Kasseler Halbmarathon im Mai 2015 auf jeden Fall einen Schritt nähergekommen. Denn: Wer 16 Kilometer laufen kann, der schafft auch 21!