City Nord Lauf, 8. Mai

Meine erste Startnummer 2015, mit der ich auch antrete
Meine erste Startnummer 2015, mit der ich auch antrete

Ich habe Gänsehaut, friere leicht, bin zu dünn für die Temperatur angezogen. Mit den Füßen trippele ich unruhig auf der Stelle rum – und fühle mich gut dabei, denn: Ich steh wieder an der Startlinie! Nach knapp drei Monaten Laufpause (Patellaspitzensyndrom) und keinem einzigen offiziellen Rennen in diesem Jahr ist es endlich so weit, ich kann wieder antreten. Und das Schönste daran: Ich laufe zum ersten Mal mit meinem „Großen“ gemeinsam ein Rennen. Mit seinen neun Jahren ist die Streckenlänge von 3,4 km kein Problem für ihn. Ich bin gespannt, wie ihm das Rennen gefällt. Bis jetzt ist er nur bei Kinderläufen angetreten, heute sind lauter Erwachsene um ihn rum. Mein Mann läuft auch mit, steht aber vorne. Wir zwei haben uns weiter hinten einsortiert, denn einsammeln macht schließlich mehr Spaß, als dauernd von Schnelleren überholt zu werden.

Der „City Nord Lauf“ ist eigentlich eine Veranstaltung für Betriebssportler, aber auch Gäste dürfen daran teilnehmen. 3,4 oder 10 km stehen zur Auswahl, und für die Kleinen gibt es einen Kinderlauf. Nachmeldungen vor Ort sind möglich (das ging nicht so hundertprozentig aus der Ausschreibung hervor, war aber kein Problem). Es ist eine sympathische Veranstaltung mit familiärer Atmosphäre und die Organisation absolut professionell.

Als Erstes liefen die Kinder. Nachdem sie alle wieder im Ziel eingetrudelt waren, durften die Läufer über die kurze Distanz an den Start. Da stehen wir nun und warten auf den Startschuss. Doch – großes Gelächter – der klappt beim ersten Mal nicht so richtig, klackt nur wie ’ne Spielzeugpistole ohne Munition. Doch der zweite knallt, wie es sich für einen ordentlichen Startschuss gehört und alle laufen los. Bei einem Läuferfeld von ca. 130 Teilnehmern gibt es auch kein Stop-and-go, sondern man kann sich gleich auf sein Tempo einpendeln. Die Strecke, die uns jetzt bevorsteht, windet sich einmal um die City Nord, ein kleines Viertel, in dem lauter Bürokomplexe stehen. Schon überqueren wir die erste Brücke, hinein in den Stadtpark. Bergab muss ich bremsen, ich vertraue meinem Knie noch nicht ganz. Mein Sohn ist nicht mehr zu halten, also lasse ich ihn laufen, will ihn auf der Ebene wieder einholen. Dafür muss ich allerdings ordentlich flitzen, er drückt ganz schön aufs Gas. Als ich ihn wieder habe, bremse ich ihn ein wenig, denn unser Plan sieht vor, die ersten beiden Kilometer gemächlich anzugehen, und wenn ich sehe, dass er gut drauf ist, darf er den Rest kontinuierlich beschleunigen. Diesen Plan schmeiße ich bereits vor dem ersten Kilometer wieder über Bord, denn während einige um uns rum schon am Schnaufen sind, plaudert er die ganze Zeit. Also lasse ich ihn das Tempo bestimmen, höre lediglich auf seinen Atem – sollte er zu schwer atmen, kann ich ihn ja immer noch bremsen. Das bewährt sich, stetig schieben wir uns weiter nach vorne, während wir durch Unterführungen laufen, über einige Brücken, um zahlreiche Biegungen und sogar unter Häusern hindurch. Noch nie habe ich so einen kurzweiligen Lauf gehabt. Das hängt natürlich zum einen mit der sehr abwechslungsreichen Strecke zusammen, größtenteils aber mit meinem kleinen Begleiter, der mich die ganze Zeit unterhält. Viel zu schnell nähern wir uns dem Ziel – 200 m vorher düst mein Sohn los für seinen Endspurt, überholt sogar noch einen Läufer. Ich zieh auch noch mal an und laufe ganz kurz nach ihm ins Ziel, wo ihn bereits ein stolzer Papa in Empfang genommen hat. Vor lauter Freude über den gemeinsamen Lauf vergesse ich mal wieder, Runtastic zu stoppen. Doch mein Großer hat auf die Zieleinlaufuhr geschaut – bei ihm hat sie 20.14 min angezeigt, bei mir 20.16.

Nach dem Rennen sind wir uns alle einig: Nächstes Jahr machen wir wieder mit. Nur darf mein Sohn dann für sich laufen und sein Tempo selbst bestimmen, muss sich nicht von Mama bremsen lassen. Und vielleicht nehmen wir sogar unseren Kleinen mit, der bis dahin sieben ist – dann habe ich wieder eine nette Begleitung und brauche nicht allein laufen 😉