Craft Women’s Run, 4. Juli

 

Unzählige Goodie-Bags warten auf die Laufperlen
Unzählige Goodie-Bags warten auf die Laufperlen

Heiß, heißer, Hamburg! Wir haben total ungewöhnliche 35 Grad – und ich flitze mit mehr als 1200 Frauen in der größten Mittagshitze durch den Stadtpark. Klingt verrückt? Ist verrückt, denke ich mehrmals, während  ich vor mich hin tropfe. Dabei tun wir uns das ja freiwillig an: Daran muss ich mich jedes Mal erinnern, wenn ich auf der 5-Kilometer-Strecke aus dem Schatten in die pralle Sonne muss. Konnte bei der Anmeldung vor zwei Monaten schließlich niemand ahnen, dass Hamburg sich dieses Wochenende in ein tropisches „Paradies“ verwandeln würde …

Da ich dazu neige, überpünktlich zu sein, waren wir anderthalb Stunden vor dem Start im Stadtpark. Das war allerdings gut, denn ich musste nirgendwo anstehen: Startnummernzelt, T-Shirt-Ausgabe und die Stände im Women’s Village – überall freie Bahn. So verging die restliche Zeit bis zum Start wie im Flug. Ich hatte sogar noch Heike Drechsler, u. a. Doppel-Olympiasiegerin im Weitsprung, erspäht, die sich netterweise mit mir fotografieren ließ.

Heike Drechsler (Doppelolympiasiegerin im Weitsprung) and me: Leider habe ich am Barmer-GEK-Stand nicht das Training mit ihr gewonnen, aber dafür ein cooles Bild bekommen
Heike Drechsler (Doppel-Olympiasiegerin im Weitsprung) and me: Leider habe ich am Barmer-GEK-Stand nicht das Training mit ihr gewonnen, aber später noch ein cooles Bild bekommen

Noch 30 Minuten bis zum Startschuss. Meine Routine besteht normalerweise darin: erst zur Toilette, dann einlaufen. Einlaufen? Lust hatte ich keine bei der Hitze, aber das Knie sollte ja warm werden, also bin ich mehr oder weniger motiviert durch den Schatten getrabt. Und war damit … total allein. Egal, dafür habe ich das offizielle Warm-up ausgelassen. Die Energie wollte ich mir lieber sparen, das würde noch hart genug werden.

Nach dem Warm-up ging’s in den Startbereich und dort war – ein Wasserstand. Halleluja! Einen Becher über den Kopf gekippt, den anderen getrunken. Das tat gut. Jetzt noch vorsichtig nach vorne schieben, damit ich am Start besser wegkomme, und dann beginnt auch schon das Herunterzählen: 10, 9, 8 … ab geht die Post! Aber eher langsame Post heute. Bloß nicht gleich überanstrengen. Ich bin zwar die letzte Woche immer zur Mittagszeit gelaufen, um mich an das Klima zu gewöhnen, aber da hatte es nie 35 Grad. Bin noch nie in so ’ner Hitze gelaufen.

Wir sind auf der Strecke – hoffentlich kommen wir bei der Hitze alle heil wieder ins Ziel!
Wir sind auf der Strecke – hoffentlich kommen wir bei der Hitze alle heil wieder ins Ziel!

Schon vor der ersten Kilometermarke spüre ich meine Oberschenkel und denke, das wird heute nix. Ein Blick auf die Uhr beruhigt aber: ein Pace von 5.30 min/km. Das ist ordentlich, kein Wunder zwicken meine Oberschenkel. Der erste Kilometer ist bei mir sowieso immer schwierig, da muss ich erst im Rennen ankommen. Die Aufregung loswerden, meinen Atem gleichmäßig und ruhig kriegen und eine Gruppe Läufer finden, die mein Tempo laufen. Dann sind 1000 Meter geschafft – mein Mund ist staubtrocken! Denn wir „Laufperlen“ (so die diesjährige Veranstalter-Bezeichnung für uns Athletinnen) wirbeln auf den ausgedörrten Sandwegen kräftig den Staub auf. Durch die Nase atmen klappt irgendwie heute nicht, egal, also Staub schlucken und unbedingt am Wasserstand zugreifen, um den Mund zu spülen. Der Stadtpark ist voll von Besuchern: gut für uns, viel Publikum am Wegesrand. Und da unsere Vornamen groß auf den Startnummer stehen, feuern uns manche Zaungäste ganz persönlich an: „Tina, Jenny, ihr macht das super!“, rief uns einer zu. Da fühlt man sich gleich noch mal mehr wie eine Laufheldin.

Toll auch das Bild, wie sich die brombeerfarbene Läuferinnen-Schlange durch den Stadtpark schlängelt. Und ich bin eine davon (allerdings nicht im Laufperlen-Shirt, sondern lieber ärmellos: Weniger ist bei dieser Hitze mehr). Cool! Gar nicht cool fühlt sich allerdings mein Kopf an. Die Läuferin neben mir fragt auch schon, wann der Wasserstand endlich kommt. Bei Kilometer 3 ungefähr. Und mir ist klar, auch ich muss an der „Oase“ Pause machen. Schnell zwei Becher geschnappt, wie gehabt einen über den Kopf gekippt, den zweiten im Gehen getrunken. Das tut gut! Jetzt schaffe ich auch noch die letzten zwei Kilometer, selbst wenn der Weg nun leicht ansteigt. Nehme ich halt Tempo raus, heute ist heil ankommen das Ziel. PB (persönliche Bestzeit) ist eh nicht drin bei den Temperaturen.

Bald schon höre ich die Durchsagen vom Zieleinlauf. Ich habe irgendwie die Orientierung verloren, bin der Meinung, noch ’ne ganze Ecke vor mir zu haben. Stimmt aber nicht. Einmal um die Kurve – und da liegt das Ziel schon vor mir. Kurz umgeschaut: Hinter mir ist eine riesige Lücke. Super, einen Endspurt kann ich mir sparen. Was für ein gutes Gefühl, den Zielbogen zu passieren! Und mein Kreislauf? Fühlt sich gut an, brauch also nicht die Sanis ansteuern (das war meine größte Sorge die ganze Zeit). Kann ganz gemächlich Richtung Getränkestand schlendern. Wasser, isotonisches Getränk, noch mal Wasser … ich kann gar nicht so viel trinken, wie ich wieder rausschwitze.

Jetzt habe ich mir meine Finisher-Bag aber voll verdient, also ab zur Ausgabe. Dort gibt es auch die Urkunden: Ich habe 27.47 Minuten gebraucht, damit bin ich 95. von insgesamt 1208 Laufperlen und 13. (von 292) meiner Altersklasse. Mit dem Ergebnis bin ich voll zufrieden angesichts der äußeren Umstände.

Mein Fazit: Es war ein großer Spaß bei einer super organisierten Veranstaltung, die allerdings auch ihren Preis hat (rund 36 Euro). Die Finisher-Bag sieht klasse aus und das Shirt hat ’ne super Qualität. Farbe, Schnitt und Aufdruck sind zwar nicht so meins, aber man braucht ja immer mal ein Teil zum Unterziehen …