Kassel 2015

Geschafft: Ich bin im Ziel nach gefühlt 100 Metern Höhenunterschied
Geschafft: Ich bin im Ziel nach gefühlt 100 Metern Höhenunterschied

Fuldataler Volkslauf – 11. Juli

Was haben Schokoküsse, die Märchenmühle und ein Waldschwimmbad miteinander zu tun? Scheinbar nichts, doch für mich ganz viel: Denn alle drei Begriffe verbinde ich seit dem Fuldataler Volkslauf mit Ihringshausen, dem Nachbarort von Vellmar, wo ich aufgewachsen bin.

Schokoküsse: In Ihringshausen (einem Ortsteil der Gemeinde Fuldatal) gab es während meiner Jugend eine Schokokuss-Fabrik. Und zu jedem Kindergeburtstag naschten wir mit Begeisterung die soften Schaumleckereien von „Edsch“, wie die Firma damals noch hieß (heute: Stüß Waffeln). Und auch jetzt noch gehört zwingend ein Waffeleimer mit ins Gepäck, wenn ich meine Mutter besuche und wieder zurück nach Hamburg fahre.

Märchenmühle: Hinter dem märchenhaften Namen verbirgt sich eine Grillstation mit einer Schutzhütte, die man für Feierlichkeiten anmieten kann. Vor zig Jahren hat das mein damaliger Kindergarten mal für ein großartiges Sommerfest gemacht. Das war aber auch schon das letzte Mal, dass ich dort gewesen bin. Und wie das so ist mit den Kindheitserinnerungen, hätte ich außerdem noch geschworen, dass die Märchenmühle in einer anderen Gegend von Kassel liegt.

Waldschwimmbad: Ganz klar, das liegt in Calden. Mit der absoluten Ausschließlichkeit der Erinnerung eines Kindes gab es mein leben lang für mich nur das eine! Nie bin ich auf die Idee gekommen, dass unweit meines Heimatortes ein weiteres Waldschwimmbad liegen könnte. Bis ich letztes Wochenende nach dem Fuldataler Volkslauf selbst darin gebadet habe …

Volkslauf

Der Fuldataler Volkslauf feierte am 11. Juli 2015 sein 40. Jubiläum – und meine Familie und ich waren zu Besuch bei Oma in Vellmar. Das ließ sich perfekt kombinieren: Zwei Wochen vorher hatte ich meinen Mann, beide Söhne und mich für den Volkslauf angemeldet, Oma machte – wie schon öfter – den Support! Wir Großen hatten uns für die 5,4-km-Strecke entschieden, mein Mann, weil diese Distanz seine Paradedisziplin ist, und ich, weil mir als Hamburger Flachland-Läuferin die 40 Meter Höhenunterschied auf der Strecke gewaltigen Respekt einflößten und ich deshalb auf keinen Fall noch mehr Meter in der Länge dranhängen wollte.

Kinderläufe

Unser Kleiner lief bei den Bambinis (440 m) mit, unser Großer die 1000 m. Sämtliche Kinderläufe wurden von einer netten jungen Frau namens Annika gestartet, die den Kindern vorher genau erklärte, was auf sie zukommt und was sie zu tun haben, wenn sie ins Ziel einlaufen. Dort gab es für die jungen Teilnehmer gleich ein kleines Präsent und ein paar Naschis. Zusätzlich fand noch eine riesige Tombola (anlässlich des 40-jährigen Jubiläums) statt, sodass unsere beiden glücklichen Gewinner jeweils ein Glas Nutella mit nach Hause nehmen konnten …

5,4-km-Lauf

Es war heiß (ca. 27 Grad) und stickig, und ich stand schon wieder an der Startlinie. Aber nach dem Women’s Run eine Woche vorher mit 35 Grad konnte mich die Temperatur auch nicht schocken. Nur meine Oberschenkel, die waren schon beim Einlaufen platt. O weia, das würde hart werden, zumal ein rascher Blick in Richtung Laufstrecke mir die Erkenntnis brachte, dass die verdammt BERGIG ist …

Annika startete auch unser Rennen, und die Läufer um mich rum fegten los. Normalerweise befinde ich mich beim Start immer im guten Mittelfeld, doch diesmal … überholten mich schon während der Stadionrunde „alle“. Also doch lieber einen Zahn zulegen, Letzte wollte ich auch nicht sein. Kaum aus dem Stadion raus, ging es schon bergab – und zwar steil! Hoffentlich hält mein Knie durch, sicherheitshalber musste ich bremsen … und wurde von noch mehr Läufern überholt 😳

Überraschend tauchte da schon das erste Kilometerschild auf, ein Blick auf die Uhr ergab eine Pace von knapp unter 5 Minuten – so schnell bin ich noch nie unterwegs gewesen, glaub ich. Das Tempo ließ sich so aber nicht halten, denn jetzt ging es einen Berg hoch und ich sah die ersten Läufer gehen. Ich versuchte noch mich an zwei weißhaarige ältere Herren zu hängen, aber die haben mich übel stehen lassen. Deren Tempo konnte ich einfach nicht halten. Dann meldete sich auch noch mein staubtrockener Mund und lechzte nach Flüssigkeit. Vor dem Start wurde uns erklärt, dass unterwegs fleißige Helfer mit Wasser bereitstehen. Die ersten davon ließen glücklicherweise auch nicht lange auf sich warten, schnell schnappte ich mir einen Becher. Was nun? Gehen oder sogar stehen bleiben wollte ich diesmal nicht, also spülte ich nur den Mund aus (ich kann beim Laufen nicht trinken) und kippte mir den Rest über den Kopf. Sehr erfrischend. Und weiter berghoch – dieser Berg wollte kein Ende nehmen und ich wusste: Am Ende muss ich noch den einen hoch, den wir am Anfang der Strecke so runtergepest waren, also schön haushalten mit den Kräften! Ein Mitläufer beruhigte mich, dass der am Ende gar nicht so schlimm wäre, aber ich blieb skeptisch.
Endlich durften wir wieder bergab laufen. Puh! Und dann ging es in den Wald rein. Und … Moment mal, das kenn ich doch, hier war ich als Kind doch schon mal … an der Märchenmühle vorbei. Hier ist die also, das hätte ich ja nie gedacht! Ich war bis dahin der Überzeugung, dass die sich komplett woanders in Kassel befindet.

Neben einem Wasserlauf ging es durch eine lange Unterführung unter den Bahnschienen durch, das war für mich der coolste Abschnitt (im wahrsten Sinne des Wortes) auf der Strecke, der hatte richtig Spaß gemacht. Wieder im Tageslicht war es auch schon mit dem Spaß vorbei, denn jetzt begannen Serpentinen. Ich hörte links oben von mir Stimmen: Entsetzt stellte ich fest, dass das andere Läufer vor mir waren, ich also auch dorthin musste. Nach der dritten Haarnadelkurve meldeten sich zaghaft meine Oberschenkel und ich fing an … zu gehen 😕 Nur bis zur Kuppe, um Kraft zu sparen für diesen einen letzten Berg vorm Ziel. Das hat sich bewährt, denn oben angekommen, konnte ich gut und kraftvoll weiterlaufen. Bis ich endlich bei dem letzten (Angst-)Berg angelangt war. Dort legte ich noch eine zweite kurze Geheinheit ein – dadurch war er tatsächlich nicht so schlimm, dann war ich endlich oben und der Sportplatz in Sicht. Dort empfing mich meine persönliche Fangemeinde mit Anfeuerungsrufen, sodass sogar noch ein Spurt bis zum Ziel drin war.

Mit 30.37 min auf 5,4 km hat es immerhin noch für den 3. Platz in meiner Altersklasse gereicht. Das ist zwar keine Superzeit für mich, aber dafür hat mir dieser Volkslauf insgesamt unheimlich viel Spaß gemacht.

Fazit: Der Fuldataler Volkslauf ist absolut routiniert organsiert, alles klappt reibungslos. Die Veranstalter sind extrem freundlich und hilfsbereit (kurz vor Feierabend hat der Abteilungsleiter Edgar Schäfer sogar noch extra nachträglich unsere Urkunden rausgesucht, denn wir hatten die Siegerehrungen total verpasst). Es gibt ein unglaublich großes Kuchenbuffet mit allem, was das Herz begehrt: Muffins, Waffeln, Käsekuchen mit Baiserhaube (superlecker!), Rührkuchen, Blechkuchen und Obstkuchen – absolut genial!
Um den Durst zu löschen, stehen nach dem Lauf bei der Sporthalle Tee und drinnen alkoholfreies Bier bereit. Ich hätte mir wegen der Temperaturen zwar draußen im Zielbereich noch Wasser gewünscht, aber das ist auch das einzige Mini-mini-Manko, das es für mich persönlich gab. Und als Krönung fungierte die Startnummer auch noch als Eintrittskarte ins benachbarte Waldschwimmbad. Ehrensache, dass wir das ausnutzten und noch einen erfrischenden Abschluss des Laufs im Pool hatten.

Und wie immer hatte Oma vorher schon für uns und die Kinder einen Waffeleimer und einen Karton mit den weltbesten Schokoküssen besorgt, sodass wir die nächsten Tage herrlich daraus naschen können 😛