Usedom 2015

Vor dem Lauf: noch etwas skeptisch ...
Vor dem Lauf: noch etwas skeptisch 

Letztes Jahr nach dem Airport-Race (16 km) stand für mich fest: 2015 nehme ich die Halbmarathon-Distanz in Angriff. Denn wer 16 km schafft, der kann auch 21,0975 laufen! Mitte Mai hieß es also Halbmarathon in Kassel und Anfang September stand Usedom an. Schön nett kombiniert mit einem Kurztrip zusammen mit Kindern und den Omas.

Kassel konnte ich wegen meine kaputten Knies nur zur Hälfte mitlaufen, aber ich hoffte, dass es sich in den knapp vier Monaten bis Usedom wieder so weit erholt hätte, dass ich die komplette Halbmarathon-Distanz bewältigen konnte. Zwei Testläufe über mehr als 15 km im August zeigten: Mein Knie ist fit, ich kann wieder lange Strecken laufen, hurra!

Also packten wir am Freitag zwei Omas, zwei kleine Jungs und ganz viel Laufklamotten in zwei Autos und machten uns auf den Weg nach Usedom – natürlich mit Halt bei der goldenen Möwe. Pastaparty wird sowieso überschätzt  😉 Um jetzt keinen falschen Eindruck zu erwecken: Ich esse da nicht wirklich gern, aber manchmal geht es einfach nicht anders …

Am Nachmittag kamen wir in Wolgast an, dort im Peene-Stadion sollte am nächsten Tag unser großer Lauf starten und auch wieder enden. Bis 22 Uhr hätten mein Mann und ich hier sogar unsere Startunterlagen abholen können – sehr komfortabel, wenn man freitags lange arbeiten muss.

Am Samstag sollte um 10.30 Uhr der Startschuss fallen. Um 7 Uhr war ich allerdings schon hellwach (ich war wohl doch nervöser, als ich dachte), sodass ich nicht mehr liegen bleiben konnte. Läuferfrühstück – zwei Scheiben Toast mit Marmelade und grüner Tee – und anziehen. Bloß was? Die ganzen letzten Wochen war ich bei Hitze und strahlendem Sonnenschein gelaufen, jetzt regnete es und das Thermometer zeigte 13 °C. Nach dem Zwiebelprinzip packte ich mich schließlich in mehrere Lagen übereinander, ausziehen konnte ich mich ja immer noch …

Usedom-Marathon: Und wir laufen gleich mit
Werbung für denUsedom-Marathon: Und wir sind dabei

Während der Rest der Familie gemütlich frische Brötchen frühstückte, machten wir uns auf den Weg nach Wolgast – und fuhren dabei die meiste Zeit an der Marathonstrecke entlang. Denn die ist eine Punkt-zu-Punkt-Strecke und startet in Swinemünde/Polen. Von dort geht es entlang der Küste durch die Kaiserbäder, dann parallel zur B 111 nach Wolgast. 34, 33, 32 … bei jeder Kilometermarkierung wurde ich dankbarer, dass ich heute nicht diese a) teils recht öde Strecke mit b) enormem Gegenwind und c) schon gar nicht so lange laufen musste. Mir reichten meine 21 km  😎

Links der Startbereich, gegenüber der Einlaufbogen
Links der Startbereich, gegenüber der Einlaufbogen

Im Peene-Stadion angekommen haben wir noch ein bisschen die Atmosphäre genossen und den zweisprachigen Ansagen zugehört – hat man ja auch nicht alle Tage. Dabei erfuhren wir, dass der Halbmarathon mit seiner 25. Auflage zum letzten Mal dieser Streckenführung folgte, im nächsten Jahr würden die Läufer eine andere Route nehmen müssen, welche, steht allerdings noch nicht fest. Klamottentechnisch hatte ich mich für Capri-Tights und T-Shirt entschieden, denn langsam kam die Sonne durch. Und sollte ich frieren, würde ich halt schneller laufen 😉 Dann mussten wir schon in den Startbereich: Der Startschuss kam total überraschend – zumindest für mich – und war so leise, dass ich erst mit Verspätung kapierte, dass ich gerade in meinen ersten Halbmarathon gestartet war. Losgelaufen wurde mitten auf der Wiese (das hatte ich auch noch nie), es folgte die obligatorische Stadionrunde und dann ging es endlich auf die Strecke. Ich hatte eine 6.15er-Pace angepeilt, denn Kilometer 9 musste spätestens nach 60 min durchlaufen werden, sonst wurde man aus dem Rennen genommen (so stand es zumindest in der Ausschreibung).
Nach der Stadionrunde ging es bergab, durch Wolgast, über die Peene-Brücke und dann ins „Hinterland“. Im Gegensatz zu den Marathonis liefen wir einen Rundkurs mit einem Wendepunkt. Die ersten Kilometer flogen nur so an uns vorbei, bei Kilometer 5 waren wir gefühlt erst eine Viertelstunde unterwegs  😀 Das machte sich auch beim Tempo bemerkbar: eine Pace von deutlich unter 6 min/km. Adrenalin, mächtig Rückenwind und viel bergab waren meiner Meinung nach die Gründe dafür, da es sich aber gut anfühlte, ließen wir es einfach so weiterlaufen. Bis zum Wendepunkt war alles total easy, danach mussten wir gegen den Wind laufen. Der war zwar sehr stark, aber bei uns noch alles im grünen Bereich. Irgendwann fing der Gegenwind doch ein wenig an, an meinen Kräften zu zehren. Mein Mann nahm mich in seinen Windschatten und ich musste nur noch an ihm kleben bleiben. So pendelten wir uns auf eine 6er-Pace ein, damit war klar, auch das Zeitlimit von 2:20 h im Ziel würden wir locker schaffen.

Meine Eindrücke von dem Lauf durchs Hinterland sind ein wenig verwaschen: schöne Landschaft, pittoreske kleine Örtchen, viele nette Menschen, die uns Läufer anfeuerten, und zahlreiche Wasserstellen mit fleißigen Helfern (danke!). Ab Kilometer 12 bekam ich Hunger, aber Bananen hatte ich noch nicht auf den Tischen entdeckt. Also musste mein Riegel her: Bissen in die Backentasche, wo er sich von allein auflöste, bis mir beim dritten Haps wohl irgendwie die Spucke ausging. Egal, der Zuckerschub hatte schon gereicht. Der Magen meldete sich nicht mehr.

Bei Kilometer 18 mein erster Jubel: Ab hier betrat ich Neuland – so lange war ich noch nie unterwegs gewesen. Und auch die restlichen 3 km sollten kein Problem sein.
Am letzten Wasserstand erspähten wir überraschend unsere Söhne und die Omas, das hatten wir gar nicht verabredet und war daher umso schöner.
Von da an ging es nur noch bergauf bis zum Stadion, aber wie mein Mann so schön sagte: „Nach Ihringshausen ist das alles nur ein Klacks!“ Recht hatte er, den letzten Berg nahmen wir locker, so locker, dass im Stadion noch Luft für einen erstklassigen Endspurt war. Begrüßt wurden wir dabei vom Stadionsprecher mit: „Carsten Ihde aus Trittau, und Tina Ihde … ah, ein Ehepaar.“ Nach 2:05:58 h liefen wir ins Ziel, damit war ich 40. bei den Frauen und 6. meiner Altersklasse.

Nach dem Lauf: strahlende Halbmarathoni
Nach dem Lauf: strahlende Halbmarathoni

Das war aber nicht so wichtig, viel mehr habe ich mich über meine Zeit gefreut, denn damit sind wir ziemlich genau eine 6er-Pace über 21 km gelaufen, eine Leistung, die ich mir vorher zwar gewünscht, aber wegen des reduzierten Trainings nicht für möglich gehalten hatte.

Zur Stärkung gab es hinterher wahlweise Erbseneintopf mit Würstchen oder Nudeln mit Soße und eine Cola dazu, perfekt!

Mit Usedom habe ich endlich meinen ersten Halbmarathon geschafft. Es werden auf jeden Fall noch weitere folgen. Für 2016 träume ich von Strecken zwischen 25 und 30 km Länge als neue Herausforderung, denn wer 21 km schafft, der kann auch auch 25 laufen 😉