Running Eastbourne

Nach Osten

Ich habe Fernweh! Und bis zu den nächsten Schulferien ist es noch unglaublich weit hin. Um das aufkommende Reisefieber ein wenig zu lindern, schwelge ich gerne in Urlaubserinnerungen: Bei einem unserer letzten Aufenthalte in Eastbourne (Küstenstädtchen in East Sussex/GB) hatte ich meine Laufschuhe eingepackt und wollte mal wieder Sightrunning machen. Ich finde, beim Laufen kann man ganz gemütlich seine Umgebung erkunden, neue Wege ausprobieren und – speziell in England – sich ungeniert puppige Cottages anschauen.

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Als Erstes bin ich nach Osten gelaufen, immer am Strand entlang. Laufen am Meer – wie idyllisch: Federnder Sand und milde Temperaturen, so in etwa hatte ich mir das vorgestellt. Mit den milden Temperaturen hielt sich das in Grenzen, das hätte ich mir Anfang Oktober eigentlich auch denken können … Und der Strand, der besteht hauptsächlich aus grobem Kies, was das Laufen unglaublich schwer macht. Lediglich an der Wasserkante bei Ebbe findet sich fester Sand, der allerdings von großen Pfützen durchzogen ist. Ein paar alte Laufschuhe wären hier echt angebracht gewesen. Ich hatte natürlich meine besten an – seufz. Was soll’s, redete ich mir zu, das sind Gebrauchsgegenstände: Also erhielten meine Boosts ihre Taufe im Meer. Kann ja auch nicht jeder Laufschuh von sich behaupten …

Während des Laufs hatte ich noch ein paar nette Begegnungen mit Anwohnern. Es war wohl gerade Gassigeh-Zeit, und mindestens „Morning“ bekam ich von jedem Hundebesitzer zu hören. Da fühlte ich mich doch gleich ein kleines bisschen zugehörig  🙂

Wegen des schwierigen Untergrundes wurde es nur ein kürzerer Lauf, aber das Frühstück danach hat trotzdem richtig gut geschmeckt.

 

Nach Westen

Familienurlaub an Englands Küste, und ich hatte mich für ein Rennen vor Ort (Worthing, 10 k) angemeldet. Also brauchte ich ein paar Tage vorher unbedingt noch einen Testlauf, denn im Herbst weht in Eastbourne (malerisches Örtchen in East Sussex/GB) eine steife Brise, wie wir Hamburger gern sagen. Ich war mir unsicher, wie ich mit dem starken Gegenwind klarkommen und inwieweit er mich auskühlen würde. Outfit-technisch habe ich mich für lange Hose, T-Shirt und langärmliges Oberteil drüber entschieden. Mütze durfte auch nicht fehlen, ist ja windig …

Da der Lauf in Worthing eine Wendepunktstrecke entlang der Promenade sein sollte, war klar, wie meine Teststrecke beschaffen sein musste. Und wie jedes anständige Seebad in England hat natürlich auch Eastbourne eine malerische Promenade. Ungefähr 5 km Richtung Westen wollte ich darauf laufen, damit ich auf der ersten Hälfte genau den fiesen Gegenwind hatte, der mich dann auch beim Rennen erwarten würde. Mit dem hatte ich auch tatsächlich ordentlich zu kämpfen, schnell brach mir der Schweiß aus und mir wurde klar, warum die anderen Läufer nur kurze Hosen und T-Shirts trugen. Ich habe alle Lüftungsreißverschlüsse geöffnet, die mein Outfit zu bieten hatte, aber viel gebracht hat es nicht. Mein Kopf muss extrem gut durchblutet ausgesehen haben, irgendwann hab ich trotz der komplett nassen Haare sogar die Mütze abgezogen, um auch das letzte bisschen Kühlung mitzunehmen.

Das Nette an so einem Promenadenlauf ist, dass er unglaublich kurzweilig ist. Auf der einen Seite das Meer mit seinem historischen Pier (der einen Monat vor unserem Urlaub leider zum Teil abgebrannt ist), auf der anderen Seite gepflegte Parkanlagen vor viktorianischen Häuserfronten. Und für alle kleineren und größeren Bedürfnisse ist auch vorgesorgt: Entlang des Weges finden sich neben zahlreichen öffentliche Toiletten und obligatorischen Erste-Hilfe-Stationen in regelmäßigen Abständen sogar WLAN-Stationen. Das nenne ich innovativ.

In Eastbourne hat die Promenade bei Beachy Head, einem großen malerischen Kreidefelsen, einen natürlichen Wendepunkt, und ich war sehr, sehr froh, als ich mich bis dorthin durchgekämpft hatte. Lag auf dem Hinweg mein Pace noch bei 5.50, zeigte mir Runtastic auf dem Rückweg erfreuliche 5.15 an. So ungefähr wollte ich vier Tage später in Worthing auch mein Rennen angehen – nur mit viel weniger Klamotten an … und ohne Mütze!