Fliege Nr. 1

Es ist Frühling! Zeit, beim Laufen wieder die Zähne zusammenzubeißen! Nicht etwa, weil einen der Hafer sticht und man zu doll Gas gibt beim Joggen, sondern weil man, sobald man ein wenig schwitzt, von vielen kleinen Mücken, Fliegen und anderen Insekten begleitet wird. Dummerweise hatte ich über den langen Winter diesen Aspekt des Laufens völlig verdrängt und eben im Wald mit offenem Mund fröhlich vor mich hin geschnauft. Fliege Nr. 1 hat das wohl als Einladung verstanden und ist zielsicher in ihren Tod geflogen. Was mich zu einem sehr undamenhaften Würgen veranlasste, gefolgt von ebenso unelegantem Ausspucken. Hat aber nichts genutzt, Fliege Nr. 1 war schon zu weit in meinen Hals geflogen, da gab es keinen Weg zurück. Also hab ich nach der erfolglosen Ausspuckaktion versucht, den Weg in die andere Richtung mittels beherztem Schlucken zu beschleunigen. Das hat glücklicherweise funktioniert, und die restlichen Kilometer konnte ich ohne lästiges Kratzgefühl im Hals zurücklegen – und mit geschlossenem Mund.

PS: Im Laufbuch* (S. 87) gib es sogar ein (nicht ganz ernst gemeintes) Kapitel über den Nährwert der verschluckten Flugtierchen. Demnach habe ich mit Fliege Nr. 1 ganze 0,0004 bis 0,0012 kcal zu mir genommen …

 

*Laufbuch
  Urs Weber, Jochen Temsch, Martin Grüning
  September 2012
  Süddeutsche Zeitung Edition